Fratzscher: Rentenpläne nicht mutig genug – Grundrente stärken
Fratzscher: Rentenpläne nicht mutig genug

Fratzscher kritisiert Rentenpläne: „Mut und Konsequenz fehlen“

Noch bevor die Rentenkommission am Dienstag ihre offiziellen Vorschläge zum Umbau der Altersvorsorge vorlegt, hagelt es Kritik. Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, hält die Pläne für unzureichend, um die gesetzliche Rentenversicherung zu stabilisieren. „Die Reformvorschläge der Rentenkommission gehen in die richtige Richtung, bleiben jedoch insgesamt zu vorsichtig“, sagte Fratzscher der „Rheinischen Post“. „Den Reformvorschlägen fehlen Mut und Konsequenz, denn sie ändern auf absehbare Zeit nichts Grundlegendes an den drei größten Problemen: der hohen Altersarmut, der zu starken Belastung der jungen Generation und der Schieflage bei der Gerechtigkeit.“

Geplante Maßnahmen: Kapitalrente und höheres Rentenalter

Nach SPIEGEL-Informationen wird das 13-köpfige Gremium der Bundesregierung einen umfangreichen Systemumbau vorschlagen. Dazu gehört die Einführung einer ergänzenden Kapital- oder Ansparkomponente, für die ein Zusatzbeitrag von zwei weiteren Prozentpunkten zum bereits fälligen Rentenbeitrag erhoben werden soll. Das Rentenalter soll maßvoll steigen. Die abschlagsfreie „Rente nach 63“, die nach mindestens 45 Beitragsjahren beantragt werden kann, soll gestrichen werden. Diese Vorschläge stoßen bei Fratzscher auf deutliche Skepsis.

Fratzscher fordert Nachbesserungen von der Politik

Der DIW-Chef forderte die Regierung auf, die Vorschläge nachzubessern. „Die Vorschläge sollten nachgebessert werden, um vor allem die Grundrente zu stärken und armutsfester zu machen, große Einkommen und Vermögen im Alter stärker zu berücksichtigen und die Finanzierung auf nachhaltigere Füße zu stellen“, so Fratzscher. Die Rentenkommission mache lediglich Vorschläge, die Politik müsse die Entscheidungen treffen, betonte der Ökonom. Er sieht dringenden Handlungsbedarf, um die Schieflage im System zu korrigieren.

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Drei Hauptprobleme: Altersarmut, junge Generation, Gerechtigkeit

Fratzscher identifiziert drei zentrale Baustellen: die hohe Altersarmut, die übermäßige Belastung der jungen Generation und die Ungerechtigkeit im System. Die aktuellen Pläne der Kommission würden diese Probleme nicht grundlegend lösen. „Die Reformvorschläge gehen in die richtige Richtung, aber sie sind nicht mutig genug“, wiederholte Fratzscher. Er plädiert für eine stärkere Berücksichtigung von großen Einkommen und Vermögen im Alter sowie für eine nachhaltigere Finanzierung der Rentenversicherung.

Hintergrund: Rentenkommission und ihre Aufgabe

Die Rentenkommission wurde von der Bundesregierung eingesetzt, um Vorschläge für eine langfristige Stabilisierung der gesetzlichen Rentenversicherung zu erarbeiten. Angesichts des demografischen Wandels und der steigenden Zahl von Rentnern bei gleichzeitig schrumpfender Erwerbsbevölkerung steht das System vor großen Herausforderungen. Die Kommission schlägt einen Mix aus höherem Renteneintrittsalter, einer Kapitalkomponente und dem Abbau von Frühverrentungsmöglichkeiten vor. Fratzscher hält diese Maßnahmen für nicht ausreichend, um die finanzielle Schieflage zu beseitigen und Generationengerechtigkeit herzustellen.

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