Die Bundesregierung pflegt deutlich mehr Kontakte zu Interessenvertretern der Wohnungswirtschaft als zu Mieterorganisationen. Das geht aus einer kleinen Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor, die den Zeitraum vom Regierungsantritt bis zum 24. Juni 2026 umfasst. Insgesamt fanden 60 Gespräche mit Vermieterseite statt, davon 13 auf Ministerebene. Auf Mieterseite waren es lediglich 38 Gespräche, ebenfalls 13 mit Ministerbeteiligung. Die Regierung selbst schränkt jedoch ein, dass die Zahlen nicht vollständig seien, da es zu viele Akteursgruppen der Immobilieninvestoren gebe.
Große Unterschiede zwischen Ministerien
Besonders stark fällt die Diskrepanz im Finanzministerium unter SPD-Chef Lars Klingbeil aus: Dort gab es 14 Gespräche mit Vermietern, aber nur eines mit Mietern. Im Wirtschaftsministerium von Katherina Reiche (CDU) stehen zehn Vermieter-Gespräche gar keinen Mieter-Gesprächen gegenüber. Aus dem Finanzministerium heißt es zur Begründung, regelmäßige Gespräche mit Investoren und Bauwirtschaft seien notwendig – unter anderem wegen der Gründung der bundeseigenen Wohnungsbaugesellschaft und dem Thema bezahlbarer Wohnraum.
Vonovia-Gespräche im Fokus
Eine separate Anfrage der Linken zu Gesprächen mit dem Wohnungskonzern Vonovia zwischen dem 7. Mai und 1. Juli 2026 ergab vier Termine. Zwei davon fanden mit Bauministerin Verena Hubertz (SPD) statt, eines mit Finanzminister Klingbeil und eines auf Staatssekretärsebene im Justizministerium. Die Linken-Abgeordnete Caren Lay bezeichnet diese Gespräche im Zusammenhang mit den Plänen von Schwarz-Rot, die Vergesellschaftung von Wohnungen großer Konzerne zu verbieten, als „delikat“. Ihr Fazit: „Die Bundesregierung hört der Immobilienlobby mehr zu als den Mieterinnen und Mietern.“ Sie fordert mehr Transparenz und eine Verschärfung des Lobbyregistergesetzes.



