Dassault-Chef erklärt FCAS-Kampfflugzeugprojekt für »tot« – Airbus blockiert Zusammenarbeit
FCAS-Projekt »tot«: Dassault-Chef wirft Airbus Blockade vor

Dassault-Chef erklärt FCAS-Kampfflugzeugprojekt für »tot« – Airbus blockiert Zusammenarbeit

Das ambitionierte deutsch-französische Rüstungsprojekt für ein gemeinsames Kampfflugzeug der nächsten Generation steht vor dem Kollaps. Eric Trappier, der Vorstandsvorsitzende des französischen Rüstungskonzerns Dassault, hat seinem deutschen Partner Airbus schwere Vorwürfe gemacht und das Future Combat Air System (FCAS) praktisch für gescheitert erklärt.

Blockadehaltung von Airbus gefährdet europäisches Prestigeprojekt

In deutlichen Worten, die eher nach dem Ende einer Partnerschaft klingen als nach einem erfolgreichen Rüstungsvorhaben, erklärte Trappier in Paris: „Sollte Airbus bei seiner Einstellung bleiben, ist das Thema FCAS tot.“ Der Dassault-Chef wirft dem europäischen Luftfahrtkonzern eine Weigerung zur Zusammenarbeit vor und nimmt diese Blockadehaltung zur Kenntnis. Das Projekt befinde sich in „echten Schwierigkeiten“ und es sei nun an den Regierungen, über die tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten zu entscheiden.

Trappier betonte jedoch die Bereitschaft seines Unternehmens, das Vorhaben auf Anweisung auch allein fortzuführen. „Dassault hat die eingegangenen Verpflichtungen buchstabengerecht erfüllt“, so der Konzernchef bei einer Pressekonferenz in der französischen Hauptstadt.

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Technische und politische Hürden belasten das Jahrhundertprojekt

Die Entwicklung eines gemeinsamen Kampfjets zwischen Deutschland und Frankreich galt schon seit Längerem als unwahrscheinlich. Die unterschiedlichen militärischen Anforderungen beider Nationen stellen eine erhebliche Herausforderung dar:

  • Frankreich benötigt einen Jet, der Atomwaffen tragen und auf Flugzeugträgern landen kann
  • Deutschland hat andere operative Anforderungen für seine Luftwaffe
  • Das FCAS soll über das eigentliche Flugzeug hinaus auch Drohnen und eine gemeinsame Daten-Cloud umfassen

Das Future Combat Air System gilt als das wichtigste europäische Rüstungsprojekt, das von Frankreich, Deutschland und Spanien vorangetrieben wird. Mit einem geschätzten Gesamtvolumen von rund 100 Milliarden Euro soll das System ab 2040 die derzeitigen Kampfflugzeuge vom Typ Rafale in Frankreich und den Eurofighter in Deutschland und Spanien ersetzen.

Industrielle Streitigkeiten und politische Dimension

Industriell wird das Projekt von Dassault Aviation auf französischer Seite und von Airbus für Deutschland und Spanien geführt. Ursprünglich sollte Dassault federführend für die Entwicklung des eigentlichen Kampfjets sein. Seit Langem gibt es jedoch erbitterten Streit über die Aufteilung der Arbeiten zwischen beiden Konzernen.

Das FCAS-Projekt hat auch eine bedeutende politische Dimension: Es gilt als wichtiger Baustein, um die europäische Abhängigkeit von US-amerikanischer Rüstungstechnologie zu reduzieren – ein Ziel, das angesichts geopolitischer Spannungen immer dringlicher wird.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte Gerüchte über ein bevorstehendes Ende des Vorhabens erst kürzlich dementiert. „FCAS ist der Jet der Zukunft. Wir benötigen ein solches Flugzeug“, betonte der Staatschef. Dass es tatsächlich gebaut wird, wurde allerdings schon damals von Experten bezweifelt.

Die aktuellen Äußerungen des Dassault-Chefs lassen nun befürchten, dass eines der ambitioniertesten europäischen Rüstungsprojekte der letzten Jahrzehnte tatsächlich scheitern könnte – mit erheblichen Konsequenzen für die europäische Verteidigungsfähigkeit und die deutsch-französische Zusammenarbeit im Sicherheitsbereich.

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