Streng geheim: Wem geht im Iran-Krieg zuerst die Munition aus?
In Kriegszeiten entscheiden nicht nur Strategien, sondern auch nüchterne Zahlen über den weiteren Verlauf der Konflikte. Doch ausgerechnet die entscheidenden Daten zu den Waffenarsenalen der beteiligten Nationen bleiben im Verborgenen. Eine Woche nach Kriegsbeginn meldet das US-Militär bereits 3.000 attackierte Ziele und kündigt an, nicht nachzulassen. Diese öffentliche Machtdemonstration kontrastiert stark mit den streng gehüteten Geheimnissen um die tatsächlichen Munitionsvorräte.
USA: Unbegrenzte Kapazitäten oder versteckte Engpässe?
In den Vereinigten Staaten wird intensiv diskutiert, wie lange der Krieg fortgesetzt werden kann, ohne dass die Munitionsreserven zur Neige gehen. Der demokratische Senator Mark Kelly, Mitglied im Streitkräfte-Ausschuss, warnte bereits vor begrenzten Vorräten. Die Regierung hingegen weist solche Bedenken entschieden zurück.
Sprecherin Karoline Leavitt betonte, die USA verfügten über mehr als genug Kapazitäten, um nicht nur die aktuelle Operation durchzuführen, sondern weit darüber hinauszugehen. Sie verwies auf Waffenlager an geheimen Orten, von denen viele Menschen nichts wüssten. US-Präsident Donald Trump verkündete zudem, dass Rüstungsunternehmen zugestimmt hätten, die Produktion hoch entwickelter Waffensysteme deutlich zu erhöhen, blieb bei Details jedoch vage.
Bereits vor Kriegsbeginn hatte eine angebliche Warnung von US-Generalstabschef Dan Caine Schlagzeilen gemacht. Demnach wies er auf Engpässe bei Waffensystemen hin, die durch die Unterstützung Israels im Gaza-Krieg und der Ukraine gegen Russland entstanden seien.
Iran: Geheime Raketenbestände und Drohnenschwärme
Im Iran unterliegen die Bestände an ballistischen Raketen und Kampfdrohnen strengster Geheimhaltung. Medien, die den Revolutionsgarden nahestehen, berichten lediglich über angebliche Erfolge. Seit Kriegsbeginn sollen mehr als 500 ballistische Raketen und Marschflugkörper sowie mindestens 2.000 Kampfdrohnen abgefeuert worden sein.
Konservative Schätzungen einer US-Denkfabrik gingen vor dem Krieg von etwa 2.000 ballistischen Mittelstreckenraketen sowie 6.000 bis 8.000 Kurzstreckenraketen aus. Das Jüdische Institut für Nationale Sicherheitsangelegenheiten schätzt, dass ein wesentlicher Teil bereits abgefeuert oder zerstört wurde. Die verbleibenden Mittelstreckenraketen werden auf nur noch 40 bis 340 Stück taxiert, während etwa 75 Prozent der Abschussrampen zerstört sein sollen.
Beobachter des US-Instituts für Kriegsstudien gehen davon aus, dass viele iranische Systeme bereits vernichtet sind, was sich im Rückgang der Raketenangriffe zeige.
Golfstaaten: Die heikle Abwägung bei der Flugabwehr
Die Golfstaaten stehen vor einer besonderen Herausforderung. Bei Hunderten Raketen und Drohnen, die auf Länder wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar zielen, wurden zwar die meisten abgeschossen, doch einige drangen durch. Setzt der Iran die Angriffe fort, müssen diese Staaten möglicherweise entscheiden, welche Ziele priorisiert abgewehrt werden – bewohnte Gebiete oder kritische Infrastruktur wie Öl- und Gasanlagen.
Details zur Flugabwehr, insbesondere die Anzahl einsatzfähiger Patriot-Raketen, bleiben auch hier ein gut gehütetes Geheimnis. Es gibt jedoch Hinweise auf baldigen Unterstützungsbedarf. Das britische Verteidigungsministerium teilte mit, dass britische Kampfjets bereits bei der Flugabwehr in Jordanien, im Irak und Katar helfen.
Israel: Kampf an mehreren Fronten
Für Israel, das nach zwei Jahren Krieg im Gazastreifen erneut an mehreren Fronten kämpft, sind genaue Zahlen ebenfalls nicht öffentlich. Das Verteidigungsministerium hat die großen Rüstungsunternehmen des Landes angewiesen, die Produktion offensiver und defensiver Waffensysteme zu beschleunigen.
Der Iran-Experte Danny Citrinowicz betont, dass aus israelischer Sicht die Zerstörung der Abschussrampen im Iran deutlich wichtiger sei als die reine Zahl der Raketen. „Es ist klar, dass sie in dem Bereich erheblichen Schaden erlitten haben“, erklärt Citrinowicz vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien in Tel Aviv. Allerdings glaubt er nicht, dass alle Rampen vollständig eliminiert werden können.
Citrinowicz hält eine „zweite Phase“ des Konflikts für möglich, an der sich neben der libanesischen Hisbollah auch die jemenitische Huthi-Miliz beteiligen könnte. Die Iraner könnten darauf setzen, dass Israels Abwehrraketen so dramatisch reduziert sind, dass jede abgefeuerte Rakete Wirkung zeigt. Möglicherweise spart die iranische Führung Raketen, um später gemeinsam mit den Huthi Israels Verteidigungssysteme zu übermannen.
Die genauen Waffenvorräte bleiben ein streng gehütetes Geheimnis aller Kriegsparteien. Während die USA sich gut gewappnet sehen, könnten die verbleibenden Raketenbestände des Iran und die Abwehrkapazitäten Israels und der Golfstaaten den weiteren Kriegsverlauf maßgeblich bestimmen.



