AfD Niedersachsen: Schwere Vorwürfe aus den eigenen Reihen
Die niedersächsische AfD befindet sich in einer tiefen internen Krise. In einem Brandbrief an die Bundesvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla erheben mehrere Parteimitglieder schwere Vorwürfe gegen den Landesvorstand um Vorsitzenden Ansgar Schledde. Die Unterzeichner, darunter der frühere Spitzenkandidat Stefan Marzischewski-Drewes und Europaabgeordnete Anja Arndt, fordern ein beherztes Eingreifen des Bundesvorstands, da sie die Partei in Niedersachsen als „verloren“ betrachten.
Kernvorwürfe: Parallelorganisation und persönliche Bereicherung
Die Anschuldigungen im Schreiben vom 2. Februar sind massiv:
- Der Landesvorstand betreibe eine seit 2024 bestehende „Parallelorganisation“ innerhalb der Partei
- Die AfD werde als „Geschäftsmodell zur dauerhaften persönlichen Bereicherung“ missbraucht
- Gegen Landeschef Schledde liefen erneut Ermittlungen wegen einer „schwarzen Kasse“ und der Anstiftung zur Veruntreuung öffentlicher Gelder im sechs- bis siebenstelligen Bereich
Landesvorstand weist alle Vorwürfe entschieden zurück
Der AfD-Landesvorstand in Niedersachsen reagierte umgehend auf die Vorwürfe und wies sie kategorisch zurück. In einer offiziellen Stellungnahme heißt es:
- Es gebe weder eine Parallelorganisation noch korrupte Systeme mit mafiösen Strukturen
- Ein angebliches Geschäftsmodell zur persönlichen Bereicherung existiere nicht
- Von erneuten Ermittlungen gegen Schledde sei weder ihm selbst noch öffentlich etwas bekannt
Staatsanwaltschaft bestätigt laufendes Ermittlungsverfahren
Die Staatsanwaltschaft Hannover bestätigte auf Anfrage ein länger laufendes Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts eines Verstoßes gegen das Parteiengesetz. Im April 2024 waren bereits die Geschäftsräume des niedersächsischen Landesverbandes sowie eines Kreisverbandes in Hannover durchsucht worden. Eine Sprecherin erklärte, die Auswertung der damals sichergestellten Beweismittel dauere noch an, werde aber voraussichtlich bald abgeschlossen sein.
Partei kündigt rechtliche Gegenmaßnahmen an
Der Landesvorstand interpretiert den Brandbrief als „groß angelegte mediale Zersetzungskampagne“, die wenige Monate vor wichtigen Kommunalwahlen gezielt den Erfolg der AfD in Niedersachsen verhindern solle. Gegen die Vorwürfe der persönlichen Bereicherung und der Parallelstruktur würden nun rechtliche Schritte eingeleitet. Zudem plane man parteirechtliche Maßnahmen gegen die Behauptungen.
Unterzeichner fordern Notvorstand für Niedersachsen
Die Verfasser des Brandbriefs kommen zu einem klaren Schluss: Der Bundesvorstand müsse unverzüglich in den Landesverband eingreifen. Sie fordern die Einsetzung eines Notvorstands für Niedersachsen, bis die angebliche Parallelstruktur durch gezielte Ämtersperren und weitere Maßnahmen aufgelöst sei. Die interne Auseinandersetzung zeigt, wie tief die Gräben innerhalb der niedersächsischen AfD mittlerweile sind.



