Landtagswahl in Baden-Württemberg: Grüne hauchdünn vor CDU, AfD verdoppelt Ergebnis
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg liefern sich die Grünen und die CDU ein äußerst knappes Rennen um die Führungsposition, wobei die Grünen laut Hochrechnungen von ARD und ZDF einen hauchdünnen Vorsprung erzielen. Die AfD verdoppelt ihr Ergebnis und erreicht damit ihr bestes Abschneiden bei einer Landtagswahl im Westen Deutschlands. Die SPD stürzt auf ein historisches Tief bei Landtagswahlen bundesweit ab, während FDP und Linke an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern und nicht im Landtag vertreten sein werden.
Hochrechnungen zeigen enge Verhältnisse
Den aktuellen Hochrechnungen zufolge kommen die Grünen auf 31,4 bis 31,7 Prozent, was einen leichten Rückgang im Vergleich zu 2021 bedeutet, als sie 32,6 Prozent erreichten. Die CDU folgt knapp dahinter mit 29,7 Prozent, was eine deutliche Steigerung gegenüber den 24,1 Prozent von 2021 darstellt. Die AfD erzielt 18,4 bis 18,6 Prozent und verdoppelt damit ihr vorheriges Ergebnis von 9,7 Prozent. Die SPD landet mit 5,5 bis 5,6 Prozent auf einem historischen Tief, während FDP und Linke jeweils etwa 4,3 bis 4,4 Prozent erreichen und somit die Hürde verfehlen.
Sitzverteilung und Regierungsoptionen
In der Sitzverteilung im Landtag erhalten die Grünen voraussichtlich 44 bis 56 Sitze, die CDU 42 bis 54 Sitze. Die AfD kommt auf 26 bis 34 Mandate, und die SPD sichert sich 8 bis 10 Sitze. Grüne und CDU hätten zusammen eine Zweidrittelmehrheit, was eine erneute Koalition ermöglichen könnte. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir bot der CDU bereits am Wahlabend eine Partnerschaft auf Augenhöhe an und verwies auf die Erfolge der letzten zehn Jahre. CDU-Landeschef Manuel Hagel gratulierte den Grünen zu ihrem Ergebnis und schloss eine Zusammenarbeit mit der AfD kategorisch aus.
Personelle Konsequenzen und Wahlkampf-Höhepunkte
SPD-Spitzenkandidat Andreas Stoch kündigte nach dem schlechten Abschneiden seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an. FDP-Landeschef Hans-Ulrich Rülke will ebenfalls sein Amt niederlegen. Im Wahlkampf standen beide Kandidaten in der Kritik: Hagel wegen eines alten Videos, in dem er von den rehbraunen Augen einer minderjährigen Schülerin schwärmte, und Stoch wegen eines Auftrags zum Einkauf von Pastete in Frankreich nach einem Besuch bei der Tafel. Grünen-Kandidat Özdemir, der sich als anatolischer Schwabe bezeichnet, distanzierte sich von den Bundes-Grünen und präsentierte ein konservativeres Profil.
Bundesweite Auswirkungen und Superwahljahr 2026
Die Wahl markiert den Auftakt für das Superwahljahr 2026, in dem fünf Landtagswahlen anstehen. Sie ist die erste unter der schwarz-roten Bundesregierung von Kanzler Friedrich Merz (CDU) und hat Bedeutung für die Stimmung bei wichtigen Reformen im Renten- und Gesundheitssystem. AfD-Bundeschef Tino Chrupalla feierte sein Ergebnis und bezeichnete seine Partei als Volkspartei in Baden-Württemberg, obwohl der Landesverfassungsschutz die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall beobachtet. Die nächste Landtagswahl findet am 22. März in Rheinland-Pfalz statt, wo die SPD um ihren Ministerpräsidentenposten fürchtet.
Neues Wahlrecht und Wahlbeteiligung
Erstmals durften bei dieser Wahl auch 16- und 17-Jährige abstimmen, und es galt ein neues Wahlrecht mit zwei Stimmen analog zur Bundestagswahl. Die Wahlbeteiligung lag bei 70,2 bis 70,5 Prozent, was eine Steigerung gegenüber 2021 bedeutet. Gut 7,7 Millionen Wahlberechtigte konnten ihre Stimme abgeben, so viele wie nie zuvor in Baden-Württemberg.



