Spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen in Baden-Württemberg
Die Landtagswahl in Baden-Württemberg hat ein äußerst knappes Ergebnis hervorgebracht. Laut den aktuellen Hochrechnungen von ARD und ZDF liegen die Grünen mit einem hauchdünnen Vorsprung vor der CDU. Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir könnte damit in die Fußstapfen des scheidenden Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann treten, der nach 15 Jahren im Amt nicht mehr angetreten war.
Historische Verschiebungen im Parteienspektrum
Die AfD hat ihr Ergebnis im Vergleich zur letzten Wahl nahezu verdoppelt und steuert damit auf ihr bestes Abschneiden bei einer Landtagswahl im Westen Deutschlands zu. Die SPD hingegen stürzt auf ein historisches Tief bei Landtagswahlen bundesweit ab und ist nur knapp im Landtag vertreten. Spitzenkandidat Andreas Stoch zog die Konsequenzen und kündigte seinen Rückzug als Landes- und Fraktionschef an.
FDP und Linke scheitern beide an der Fünf-Prozent-Hürde und sind damit nicht im neuen Landtag vertreten. Auch FDP-Landeschef Hans-Ulrich Rülke hat angekündigt, sein Amt niederzulegen.
Konkrete Zahlen aus den Hochrechnungen
Den Hochrechnungen zufolge kommen die Grünen auf 31,4 bis 31,7 Prozent, während die CDU mit 29,7 Prozent knapp dahinter liegt. Die AfD erhält 18,4 bis 18,6 Prozent, gefolgt von der SPD mit 5,5 bis 5,6 Prozent. Die FDP und die Linke kommen jeweils auf etwa 4,3 bis 4,4 Prozent.
Im neuen Landtag würden die Grünen damit 44 bis 56 Sitze erhalten, die CDU 42 bis 54 Sitze. Die AfD käme auf 26 bis 34 Mandate, die SPD auf 8 bis 10 Sitze. Grüne und CDU hätten zusammen eine Zweidrittelmehrheit im Landtag.
Özdemir bietet CDU Zusammenarbeit an
Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir rief die Christdemokraten noch am Wahlabend zu einer erneuten Zusammenarbeit auf und bot ihnen eine „Partnerschaft auf Augenhöhe“ an. Er verwies dabei auf die Erfolge der letzten zehn Jahre unter der grün-schwarzen Koalition.
CDU-Landeschef Manuel Hagel gratulierte den Grünen zu ihrem Ergebnis und schloss kategorisch aus, sich mit Stimmen der AfD zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen. Hagel betonte, dass der Regierungsauftrag bei den Grünen liege, wenn sich das Wahlergebnis bestätige.
Bundespolitische Auswirkungen
Grünen-Bundeschef Felix Banaszak nannte das starke Grünen-Ergebnis eine klare Ansage an Kanzler Friedrich Merz und dessen politische „Orientierungslosigkeit“. Co-Vorsitzende Franziska Brantner sprach von einem „sensationellen Ergebnis“.
Das historisch schlechte SPD-Ergebnis im Südwesten schockt auch die Bundes-SPD. Parteichef Lars Klingbeil zeigte sich tief enttäuscht und bezeichnete den Abend als „total bitter“. Er betonte, dass die Wahl im Wesentlichen nur noch um die Frage gegangen sei: Cem Özdemir oder Manuel Hagel?
Neues Wahlrecht und Wahlbeteiligung
Erstmals durften bei dieser Landtagswahl auch 16- und 17-Jährige abstimmen. Zudem hatten die Bürger zum ersten Mal zwei Stimmen wie bei der Bundestagswahl. Die Wahlbeteiligung lag den Hochrechnungen nach bei 70,2 bis 70,5 Prozent und damit deutlich höher als bei der letzten Wahl 2021.
Auftakt für das Superwahljahr 2026
Die Wahl in Baden-Württemberg ist die erste von fünf Landtagswahlen im „Superwahljahr 2026“ und die erste unter der schwarz-roten Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz. Die nächste Wahl steht bereits am 22. März in Rheinland-Pfalz an, wo der seit 34 Jahren regierenden SPD der Verlust des Ministerpräsidentenpostens droht.
Im September folgen dann Wahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern, wo die AfD in aktuellen Umfragen bereits an die 40 Prozent herankommt. Die Wahlergebnisse in Baden-Württemberg sind daher von besonderer Bedeutung für die politische Stimmung im gesamten Bundesgebiet.



