Manuel Hagel: Vom Hoffnungsträger zum Zweitplatzierten in Baden-Württemberg
Es sollte der Höhepunkt einer bemerkenswerten politischen Karriere werden, doch die Realität sieht anders aus. Manuel Hagel, der als Spitzenkandidat der CDU Baden-Württemberg antrat, wollte der jüngste Ministerpräsident in der Geschichte des Bundeslandes werden. Nach den aktuellen Hochrechnungen von ARD und ZDF ist dieses Ziel jedoch in weite Ferne gerückt. Die Grünen liegen stabil vor der Christdemokraten, was für Hagel eine herbe Enttäuschung bedeutet.
Eine politische Blitzkarriere mit plötzlichem Halt
Noch vor Monaten sah die Situation für Manuel Hagel und die CDU vielversprechend aus. Die Partei führte in den Umfragen mit komfortablem Vorsprung und schien auf dem besten Weg, nach der Ära von Winfried Kretschmann wieder die Regierungsverantwortung in Baden-Württemberg zu übernehmen. Der 37-Jährige sollte das Erbe des langjährigen grünen Ministerpräsidenten antreten und die CDU zurück an die Macht führen.
Doch wer ist dieser Mann, der innerhalb kürzester Zeit zum Hoffnungsträger der Südwest-CDU aufstieg?
Vom Bankkaufmann zum Spitzenpolitiker
Manuel Hagels Werdegang liest sich wie ein Musterbeispiel für politischen Aufstieg. Aufgewachsen im beschaulichen Ehingen, absolvierte er nach der Realschule eine Lehre zum Bankkaufmann und arbeitete sich bis zum Sparkassen-Filialleiter hoch. Parallel dazu begann sein politischer Weg zunächst auf kommunaler Ebene.
Seine politische Karriere entwickelte sich in atemberaubendem Tempo: 2016 zog Hagel als Abgeordneter in den Landtag ein, wurde Generalsekretär der Südwest-CDU, übernahm 2021 den Fraktionsvorsitz und 2023 schließlich den Landesvorsitz. In dieser kurzen Zeit sammelte er nicht nur Ämter, sondern baute auch seinen Einfluss innerhalb der Partei systematisch aus.
Netzwerker mit bodenständigem Image
Im persönlichen Gespräch wirkt Hagel höflich, verbindlich und aufmerksam – ein Politiker, der zuhören kann. Als talentierter Netzwerker und Strippenzieher agiert er oft im Hintergrund und schaffte es, alte Gräben innerhalb des Landesverbands zu überwinden.
Politisch inszeniert sich Hagel als bodenständiger Konservativer. Der Jäger und Mitglied der Narrenzunft spricht mit starkem schwäbischem Akzent und betont regelmäßig seine Verbundenheit zu Heimat, Tradition und Familie. In nahezu jeder Rede erwähnt er, dass er Vater von drei kleinen Söhnen ist, und sein christlicher Glaube spielt eine zentrale Rolle in seinem politischen Selbstverständnis.
Wahlkampf mit unerwarteten Wendungen
Obwohl Hagel als Spitzenkandidat an Format gewann, konnte er in puncto Charisma und Schlagfertigkeit nie ganz mit seinem grünen Kontrahenten Cem Özdemir mithalten. Ein wesentliches Handicap war sein vergleichsweise geringer Bekanntheitsgrad außerhalb politischer Kreise.
Der Wahlkampf entwickelte sich für Hagel jedoch anders als erwartet. Unermüdlich tourte er durch Baden-Württemberg, besuchte Bierzelte und Mittelständler, hielt unzählige Reden und schüttelte Tausende Hände. Sein Ziel: das Image des bodenständigen „Normalos“ und Ärmelhochkremplers von nebenan zu festigen.
Videos bringen bundesweite Aufmerksamkeit
In der heißen Phase des Wahlkampfs erlangte Hagel dann ungewollt bundesweite Bekanntheit. Eine grüne Bundestagsabgeordnete veröffentlichte ein altes Video aus dem Jahr 2018, in dem der damals 29-jährige Hagel von einer Schülerin und ihren „rehbraunen Augen“ schwärmte. Obwohl Hagel sofort einräumte, dass diese Äußerung „Mist“ gewesen sei, ging das Video viral und löste eine Diskussion über Sexismus aus.
Nur wenige Tage später folgte ein weiterer Zwischenfall: Bei einem Schulbesuch geriet Hagel vor laufender Kamera mit einer Lehrerin aneinander und machte erneut keine gute Figur. „Ich bin ja jetzt auch kein Roboter, sondern ein Mensch mit ganz normalen Gefühlen“, rechtfertigte er sich später.
Verantwortungsübernahme nach der Wahl
Die CDU sprach von einer „Schmutzkampagne“ der Grünen, doch der Schaden war bereits angerichtet. Der vormals komfortable Vorsprung in den Umfragen schmolz kontinuierlich dahin.
Bei der Wahlparty in Stuttgart zeigte sich Hagel am Abend der Wahl ernüchtert. Er übernahm ausdrücklich die Verantwortung für den Wahlkampf und das Wahlergebnis. „Natürlich bin ich enttäuscht“, gestand er ein. Der Ball zur Regierungsbildung liege nun bei den Grünen. Die vergangenen Wochen seien für ihn und seine Familie „persönlich eine enorme Belastung“ gewesen.
So hart die letzten Tage für den 37-Jährigen auch gewesen sein mögen – die schwierigste Zeit könnte Manuel Hagel noch bevorstehen. Der Mann, der einst erklärte, das Erbe Kretschmanns sei bei ihm in guten Händen, muss sich nun mit der Rolle des Zweitplatzierten arrangieren und die Zukunft der CDU in Baden-Württemberg neu gestalten.



