SPD stürzt in Baden-Württemberg auf historischen Tiefstwert ab
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg hat die SPD ein verheerendes Ergebnis eingefahren. Mit nur 5,5 Prozent der Stimmen halbiert die Partei ihr Resultat von 2021 und erreicht einen neuen Negativrekord, der bundesweit beispiellos ist. Nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa handelt es sich um das schlechteste Ergebnis, das die SPD jemals auf Landes- oder Bundesebene in der Bundesrepublik erzielt hat.
Von der Volkspartei zur Randerscheinung
Der dramatische Niedergang der SPD im Südwesten wird besonders im historischen Kontext deutlich. Seit den 1950er Jahren lag die Partei in Baden-Württemberg konstant über 25 Prozent, wobei die 30-Prozent-Marke regelmäßig übertroffen wurde. Noch im Jahr 2001 holte die SPD 33,3 Prozent, doch seitdem ging es kontinuierlich bergab. Nach 25,2 Prozent im Jahr 2006 folgten 23,1 Prozent im Jahr 2011, nur noch 12,7 Prozent vor zehn Jahren und 11 Prozent im Jahr 2016. Die aktuellen 5,5 Prozent lösen den bisherigen Negativrekord der SPD in Thüringen ab, wo die Partei im September 2024 auf 6,1 Prozent kam.
Bundesweite Tendenzen und personelle Konsequenzen
Auch in anderen Bundesländern verzeichnet die SPD in jüngster Zeit einstellige Ergebnisse, wie etwa in Sachsen (2024: 7,3 Prozent), Bayern (2023: 8,35 Prozent) und Sachsen-Anhalt (2021: 8,41 Prozent). Im Bund erreichte die SPD bei der vorgezogenen Wahl Anfang des vergangenen Jahres mit 16,4 Prozent ihren Tiefstand, nachdem sie bei der Bundestagswahl im Herbst 2021 mit 25,71 Prozent noch den Kanzler gestellt hatte. In Baden-Württemberg kündigte Landes- und Fraktionschef Andreas Stoch bereits kurz nach den ersten Hochrechnungen seinen Rücktritt an. Er erklärte, angesichts des historisch schlechten Wahlergebnisses der Partei und Fraktion eine Neuaufstellung vorschlagen zu wollen, um die SPD wieder zu stärken.
Reaktionen der Parteiführung und Ausblick
SPD-Co-Parteichefin Bärbel Bas führte die Niederlage auf die starke Polarisierung zwischen den Spitzenkandidaten von Grünen und CDU zurück. Sie betonte, dass die SPD mit ihren Themen wie dem Schutz von Industriearbeitsplätzen und der Senkung der Energiepreise nicht durchgedrungen sei, da Grüne und CDU im Zweikampf um das Ministerpräsidentenamt alle Stimmen abgesaugt hätten. Bas blickte bereits auf die nächste Landtagswahl in Rheinland-Pfalz in zwei Wochen, wo ein ähnliches Duell zwischen SPD-Ministerpräsident Alexander Schweitzer und CDU-Kandidat Gordon Schnieder erwartet wird. Sie bekräftigte, dass die SPD weiter den Anspruch habe, eine Volkspartei zu sein, die für die gesamte Bevölkerung da ist.



