Deutschlands letzte Gletscher schwinden in alarmierendem Tempo
Die verbliebenen vier Gletscher Deutschlands erleben einen dramatischen Rückgang ihrer Eismassen. Innerhalb von nur zwei Jahren haben sie im Durchschnitt mehr als ein Viertel ihrer Ausdehnung verloren. Wissenschaftler der Hochschule München und der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (BAdW) kommen zu dem erschütternden Ergebnis: Deutschland könnte bereits in den 2030er Jahren vollständig gletscherfrei sein.
Berchtesgadener Gletscher besonders stark betroffen
Die Untersuchungen von Geograf Wilfried Hagg und Glaziologe Christoph Mayer zeigen besonders drastische Verluste bei den Gletschern in den Berchtesgadener Alpen. Der Blaueisgletscher und der Watzmanngletscher büßten zwischen 2023 und 2025 jeweils etwa 45 Prozent ihrer Fläche ein. „Kaum noch als Gletscher zu erkennen“, beschreiben Experten den Zustand des Blaueisgletschers.
Eine Million Kubikmeter Eis verschwunden
Insgesamt schmolzen in dem zweijährigen Untersuchungszeitraum eine Million Kubikmeter Eis ab. Die Eisdicke nahm jährlich um durchschnittlich 1,6 Meter ab – ein deutlich höherer Wert als in der Vergleichsperiode von 2018 bis 2023. „Die Geschwindigkeit des Gletscherschwundes hat sich in den letzten Jahren verdoppelt“, erklärt Glaziologe Christoph Mayer. Der Klimawandel wird als Hauptursache für diese beschleunigte Schmelze identifiziert.
Unterschiedliche Überlebenschancen der Eisriesen
Während die Berchtesgadener Gletscher akut vom Verschwinden bedroht sind, zeigt der Höllentalferner im Zugspitzgebiet größere Widerstandsfähigkeit. Mit nur neun Prozent Flächenverlust blieb er am stabilsten. Lawinenschnee und schattige Felswände bieten ihm Schutz. Als letzter deutscher Gletscher könnte er bis in die 2030er Jahre überdauern.
Ganz anders der Nördliche Schneeferner an der 2962 Meter hohen Zugspitze. Nachdem er zwischen 1980 und 2023 bereits mehr als die Hälfte seiner Fläche verloren hatte, schmolz binnen zwei Jahren ein weiteres Viertel weg. Experten rechnen mit seinem vollständigen Verschwinden noch vor Ende dieses Jahrzehnts.
Konsequenzen für Skibetrieb und Gletscherdefinition
Der Rückgang der Gletscher hat praktische Auswirkungen: Ein Skilift auf dem Nördlichen Schneeferner muss komplett zurückgebaut werden, der Abbau begann bereits an einem Freitagnachmittag. Bereits 2022 verlor der Südliche Schneeferner seinen Gletscherstatus, da er sich nicht mehr bewegte – ein entscheidendes Kriterium für die Definition als Gletscher.
Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse kurz vor dem Welttag der Gletscher am 21. März. Ihre Daten unterstreichen die Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen, um das einzigartige alpine Erbe zu bewahren.



