Deutschlands letzte Gletscher schwinden in beispiellosem Tempo
Zum Welttag der Gletscher am 21. März überbringen Forscher düstere Nachrichten: Die verbliebenen Gletscher in Deutschland schmelzen noch schneller als bisher befürchtet. Neue Untersuchungen belegen einen dramatischen Flächenverlust innerhalb kürzester Zeit.
Viertel der Fläche in nur zwei Jahren verloren
Die vier letzten deutschen Gletscher haben zwischen 2023 und 2025 mehr als ein Viertel ihrer Gesamtfläche eingebüßt. Besonders betroffen sind der Blaueisgletscher und der Watzmanngletscher in den Berchtesgadener Alpen, die jeweils etwa 45 Prozent ihrer Ausdehnung verloren. Diese alarmierenden Zahlen resultieren aus einer aktuellen Vermessung durch den Geografen Wilfried Hagg von der Hochschule München und den Glaziologen Christoph Mayer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.
Die Geschwindigkeit des Gletscherschwundes hat sich in den letzten Jahren verdoppelt, erklärt Mayer. „Wir sehen, dass die Gletscher inzwischen in einem rasanten Tempo abschmelzen.“ Als Hauptursache identifizieren die Wissenschaftler eindeutig den Klimawandel.
Unterschiedliches Schicksal der einzelnen Gletscher
Während die Berchtesgadener Gletscher möglicherweise schon in naher Zukunft ihren Status als Gletscher verlieren könnten, zeigt der Höllentalferner im Zugspitzgebiet mehr Widerstandsfähigkeit. Mit nur neun Prozent Flächenverlust hielt er sich am stabilsten, was auf Lawinenspeisung und Schutz durch hohe Felswände zurückzuführen ist. Experten gehen davon aus, dass er als letzter deutscher Gletscher bis in die 2030er Jahre überdauern könnte.
Ganz anders der Nördliche Schneeferner unterhalb der 2.962 Meter hohen Zugspitze: Seine Fläche schrumpfte binnen zwei Jahren um ein Viertel, nachdem sie sich bereits zwischen 1980 und 2023 mehr als halbiert hatte. Prognosen zufolge wird dieser Gletscher wohl bis Ende des Jahrzehnts vollständig verschwinden.
Konkrete Auswirkungen auf die Region
Die fortschreitende Gletscherschmelze hat bereits praktische Konsequenzen. Auf dem Nördlichen Schneeferner muss ein Skilift komplett abgebaut werden, wobei die Rückbauarbeiten am Plattlift bereits begonnen haben. Dies verdeutlicht, wie der Klimawandel nicht nur ökologische, sondern auch wirtschaftliche und touristische Strukturen in den Alpen beeinflusst.
Bereits 2022 hatte der Südliche Schneeferner als erster von fünf bayerischen Gletschern seinen Gletscherstatus verloren, da er nicht mehr floss – eines der entscheidenden Kriterien für diese Klassifikation. Insgesamt schmolzen in den letzten zwei Jahren etwa eine Million Kubikmeter Eis ab, wobei die durchschnittliche Eisdicke um 1,6 Meter pro Jahr abnahm. Dieser Wert liegt deutlich über dem des Zeitraums 2018 bis 2023 und unterstreicht die beschleunigte Dynamik des Schwundprozesses.
Die Forscher warnen, dass Deutschland voraussichtlich in den 2030er Jahren gletscherfrei sein wird. Diese Entwicklung stellt nicht nur einen Verlust natürlicher Landmarken dar, sondern fungiert als deutliches Warnsignal für die fortschreitenden Auswirkungen des Klimawandels in Mitteleuropa.



