Traurige Bilanz nach Lawinenabgang in Südtirol
Ein verheerendes Lawinenunglück in den Stubaier Alpen hat am Freitag zwei Menschenleben gefordert und mehrere Wintersportler schwer verletzt. Gegen 11:40 Uhr löste sich an der 2.669 Meter hohen Hohen Ferse nahe Ratschings ein gewaltiges Schneebrett, das etwa zwei Dutzend Tourengeher erfasste. Die italienische Bergwacht bestätigte, dass zwei Männer aus der Region trotz sofortiger Rettungsmaßnahmen nicht mehr gerettet werden konnten.
Massiver Rettungseinsatz mit Hubschraubern
Mehr als 60 Rettungskräfte waren mit mehreren Hubschraubern im hochalpinen Gelände auf etwa 2.450 Metern Höhe im Einsatz. Das Schneebrett maß etwa 150 Meter in der Breite und erstreckte sich über mehrere hundert Meter Länge. Die Mehrzahl der Skifahrer konnte sich selbst befreien, doch etwa zehn Wintersportler wurden von den Schneemassen mitgerissen und teilweise verschüttet.
Zu den Todesopfern zählen ein 62-jähriger Bergführer, der mit einer Gruppe unterwegs war, und ein 56 Jahre alter Mann. Eine 26-jährige Italienerin musste in kritischem Zustand per Hubschrauber in ein Krankenhaus geflogen werden. Unter den fünf Verletzten befanden sich auch drei deutsche Staatsbürger, die teils schwere Verletzungen erlitten.
Ortungsgeräte erleichtern die Suche
Mehrere der verschütteten Skifahrer trugen Lawinenverschüttetensuchgeräte (LVS-Geräte) bei sich, was die Rettungsarbeiten erheblich beschleunigte. Dennoch kam für die beiden Männer aus Südtirol jede Hilfe zu spät. Die Bergwacht betonte, dass solche technischen Hilfsmittel lebensrettend sein können, aber keine absolute Sicherheit garantieren.
Europäische Lawinenstatistik erreicht besorgniserregende Werte
Mit diesem tragischen Vorfall steigt die Zahl der Lawinentoten in Europa in der aktuellen Wintersaison auf mindestens 127 Personen. Laut dem European Avalanche Warning Service (EAWS) verzeichnet Italien mit nun 34 Todesopfern die höchste Zahl, gefolgt von Frankreich (31) und Österreich (29). In Deutschland gab es in dieser Saison bislang keine tödlichen Lawinenunfälle.
Die Statistik erfasst alle Todesfälle seit dem 1. Oktober, wobei die meisten Unglücke in den Alpen, aber auch in anderen Gebirgsregionen wie den Karpaten stattfanden. Obwohl die Wintersaison noch nicht beendet ist, steht bereits fest, dass 2025/26 zu den Jahren mit den meisten Lawinentoten im letzten Jahrzehnt zählt. Nur im Winter 2017/18 wurden mit 147 Opfern noch mehr Todesfälle registriert.
Klimawandel als möglicher Faktor
Experten sehen im Klimawandel einen wesentlichen Grund für die erhöhte Lawinengefahr. Höhere Temperaturen verändern die traditionellen saisonalen Rhythmen, wodurch der Schnee weniger fest wird. Zudem verbinden sich Altschnee und frisch gefallener Schnee nicht mehr optimal, und stärkere Winde führen zur Ansammlung von gefährlichem Treibschnee. Besonders betroffen sind Regionen im südlichen Teil der Alpen, zu denen auch Südtirol zählt.
Ein weiterer Faktor ist die zunehmende Beliebtheit von Skitouren und Abfahrten abseits der präparierten Pisten. Diese Entwicklung führt dazu, dass mehr Wintersportler in potentiell lawinengefährdetem Gelände unterwegs sind. Die Bergwachten appellieren daher regelmäßig an die Vernunft der Tourengeher und empfehlen dringend, sich vor jeder Tour über die aktuelle Lawinengefahr zu informieren und entsprechende Sicherheitsausrüstung mitzuführen.



