Tödlicher Seilbahnunfall in Engelberg: Klemme als mögliche Ursache im Fokus
Seilbahnunfall in Engelberg: Klemme als mögliche Ursache

Tödlicher Sturz am Titlis: Seilbahn-Klemme unter Verdacht

Eine 61-jährige Frau aus der Region Engelberg verlor am Mittwoch ihr Leben, als sich eine Seilbahngondel am 3238 Meter hohen Alpengipfel Titlis bei starkem Wind vom Förderseil löste und den Hang hinunterstürzte. Die Gondel überschlug sich mehrfach und blieb in der Nähe einer Berghütte liegen. Rettungskräfte eilten sofort zur Unglücksstelle, konnten jedoch nur noch den Tod der Frau feststellen.

Kritisches Bauteil im Zentrum der Ermittlungen

Norbert Patt, Chef der Titlis Bergbahnen, erklärte: „Die Gondel ist mit einer sogenannten Klemme am Seil befestigt, und diese Klemme hat sich gelöst.“ Bei jeder Ein- und Ausfahrt in die Station öffnet und schließt sich diese Klemme automatisch. Normalerweise wird dieser Vorgang intensiv überwacht, doch in der Vergangenheit hat sich die Technik bei verschiedenen Seilbahn- und Sesselliftunfällen als mangelhaft erwiesen.

Bereits 2024 kam es in Visperterminen im Kanton Wallis zu einem Zwischenfall, bei dem ein Sessel eines Sessellifts wegen einer defekten Klemme in einen vorderen Sessel knallte. Zwei Skifahrer wurden dabei verletzt, und 88 Sessellifte mussten daraufhin untersucht werden. Noch brisanter: Schon 2021 stuften Schweizer Behörden die Klemmen von 52 Seilbahnen als sicherheitskritisch ein, weil sie schlecht schlossen. Die betroffenen Anlagen sollten eigentlich stillgelegt werden, bis entsprechende Sicherheitsnachweise erbracht sind.

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Hersteller und Betreiber in der Verantwortung

Das Bundesamt für Verkehr sieht vor allem die Betreiber in der Pflicht, die Sicherheit ihrer Anlagen zu gewährleisten. Mehrere Seilbahn-Betreiber teilten daraufhin mit, sie würden sich an die Sicherheitshinweise von Doppelmayr Garaventa halten. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Wolfurt (Österreich) ist Weltmarktführer im Seilbahnbau und betont, dass seine Klemmen sicher seien. Auch die Titlis Bergbahnen setzen diese Technik ein.

Seilbahnexperte Reto Canale kann derzeit nicht eindeutig erklären, warum sich die Gondel trotzdem vom Seil löste. Er hält ein Versagen der Klemme grundsätzlich für möglich, aber unwahrscheinlich: „Normalerweise hat man das gut im Griff.“ Die Klemme sei ein stark beanspruchtes Bauteil, dessen Funktionsfähigkeit täglich millionenfach überprüft werde. Canale sieht das Problem eher beim Kuppelvorgang: Nach jeder Verbindung überprüfe ein System, ob die Klemmkraft korrekt ist. Ist das nicht der Fall, wird die Bahn sofort gestoppt.

Prüfsystem als mögliche Schwachstelle

Funktioniert dieses Prüfsystem jedoch nicht einwandfrei, kann es sein, dass eine Gondel die Station verlässt, obwohl sie nicht ausreichend mit dem Seil verbunden ist. Canale erklärt: „Theoretisch könnte es sein, dass diese sogenannte Klemmenkraftprüfung in Engelberg nicht korrekt funktioniert hat.“ Eine weitere Möglichkeit wäre, dass die Gondel an einem Mast hängen blieb und dabei die Klemme vom Seil gerissen wurde.

Die Ermittlungen laufen auf Hochtouren, um die genaue Ursache des tragischen Unfalls zu klären. Sicherheitsexperten fordern eine umfassende Überprüfung aller Seilbahnanlagen, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu verhindern.

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