Aus für beliebte Mehrfachkarten: Berliner Bäder setzen auf teurere Abo-Modelle
Die Berliner Bäderbetriebe haben eine umstrittene Entscheidung getroffen: Die beliebten Mehrfachkarten für Schwimmbäder werden abgeschafft. Diese Karten boten bisher 20 Eintritte für pauschal 80 Euro an – ein besonders familienfreundliches Angebot, das vielen Berlinern den Sommer versüßte. Nun müssen Schwimmer auf deutlich teurere digitale Abonnement-Modelle umsteigen, was bei der Bevölkerung für erheblichen Unmut sorgt.
Vom Schnäppchen zum Premium-Preis: Die neuen Tarife im Detail
Die alten Mehrfachkarten hatten zwei entscheidende Vorteile: Sie waren nicht nur preisgünstig, sondern ermöglichten auch den direkten Zugang zum Becken, ohne an der Kasse anstehen zu müssen. Das neue System sieht hingegen drei Stufen vor:
- Flatrate-Abo: Für 38 Euro monatlich können Schwimmer unbegrenzt Hallen- und Freibäder besuchen
- Teilzeit-Abo: 30 Euro monatlich für zwei wöchentliche Besuche
- Einzelkarten: 6-7 Euro pro Freibadbesuch, bis zu 6 Euro für 90 Minuten im Hallenbad
Die Bäderbetriebe bezeichnen das neue Preissystem als „transparent und fair“. Sport- und Innensenatorin Iris Spranger (SPD) erklärte im Abgeordnetenhaus: „Die Bäderbetriebe haben die Entscheidung damit begründet, dass sie in den letzten zehn Jahren keine Erhöhungen der Eintrittspreise vorgenommen haben.“ Hinzu kämen gestiegene Betriebskosten, die eine Anpassung notwendig machten.
Politischer Wutsturm: Senatorin verspricht Überprüfung
Die Reaktionen aus der Bevölkerung und Politik sind heftig. Grünen-Politikerin Antje Kapek spricht von einem regelrechten „Wut-Sturm“ und betont, selten so viel Ärger bei den Bürgern erlebt zu haben. Senatorin Spranger zeigte sich zwar verständnisvoll für die wirtschaftlichen Zwänge der Bäderbetriebe, räumte aber ein: „Die Wirtschaftlichkeit gerade für Menschen, die wenig Geld haben, ist nicht ganz nachzuweisen, das sehe ich genauso wie Sie.“
Die Senatorin kündigte an, das Thema der Mehrfachkarten erneut aufzugreifen. „Nicht nur Sie haben entsprechende Anfragen bekommen, auch ich selbstverständlich als Aufsichtsratsvorsitzende. Und deshalb werde ich mir das nochmal anschauen.“ Sie versprach eine gründliche Prüfung im Aufsichtsrat der Berliner Bäderbetriebe.
Dringliche Beratungen angekündigt
Bereits am kommenden Freitag soll die umstrittene Preispolitik der Berliner Bäder auf der Tagesordnung des Sportausschusses und des Unterausschusses Beteiligungen stehen. Die politische Debatte um die Bezahlbarkeit von Schwimmbadbesuchen für Familien und einkommensschwache Haushalte ist damit eröffnet.
Für viele Berliner Familien bedeutet die Abschaffung der 80-Euro-Mehrfachkarten eine spürbare finanzielle Mehrbelastung. Besonders in den Sommermonaten, wenn Freibäder traditionell stark frequentiert werden, könnte die neue Preispolitik viele Besucher abschrecken. Die Diskussion um sozialverträgliche Freizeitangebote in der Hauptstadt dürfte damit weiter an Fahrt aufnehmen.



