Berliner Expo-Bewerbung 2035: Ein gespaltener Senat blockiert den Fortschritt
Die Hauptstadt Berlin hat realistische Chancen, die Weltausstellung Expo 2035 auszurichten. Doch die Bewerbung kommt nicht voran, weil innerhalb des Berliner Senats die Kräfte gegeneinander arbeiten. Während auf der einen Seite Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) aktiv für die Expo wirbt und dafür den ehemaligen Flughafen Tegel im Blick hat, verweigert die senatseigene Tegel Projekt GmbH die Zusammenarbeit. Es scheint, als wüsste eine Hand nicht, was die andere tut – oder als wolle sie es nicht wissen.
Peinlicher Streit auf internationaler Bühne
Der interne Konflikt wurde jüngst auf der weltgrößten Immobilienmesse „Marché International des Professionnels de l'Immobilier“ (MIPI) in Cannes sichtbar. Dort ist die Berliner Firma „Expo 2035 Berlin GmbH“ vertreten, die von lokalen Unternehmern getragen wird und das Ziel verfolgt, die Weltausstellung nach Tegel zu holen. Parallel dazu wirbt die Tegel Projekt GmbH auf derselben Messe dafür, dass die Expo nicht nach Tegel kommt. Stattdessen plant sie dort einen Industriepark mit dem Namen „Urban Tech Republic“.
„Wir sehen keine Grundlage, Flächen der Urban Tech Republic für eine EXPO-Nutzung zur Verfügung zu stellen“, erklärte Constanze Döll, Sprecherin der Tegel Projekt GmbH. Diese klare Absage unterstreicht die tiefe Zerrissenheit innerhalb der Berliner Landesregierung.
Der Riss geht quer durch den Senat
Die Spaltung betrifft die höchsten Ebenen: Während Wirtschaftssenatorin Giffey die Expo-Bewerbung vorantreibt, zeigt sich der Regierende Bürgermeister Kai Wegner (CDU) zögerlich. Er favorisiert eine Bewerbung Berlins für die Olympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 und möchte dieser den Vorrang geben. Allerdings sind die Olympia-Aussichten für Berlin als eher düster einzuschätzen, da Bayern hier die besseren Chancen hat.
Im Gegensatz dazu gibt es auf der Expo-Bühne für das Jahr 2035 derzeit keine anderen europäischen Bewerber. Eine Weltausstellung in Berlin würde internationale Aufmerksamkeit generieren und erhebliche finanzielle Impulse in die Stadt bringen. Experten fordern daher, dass Wegner die Expo-Bewerbung zur Chefsache erklären und die Blockadehaltung beenden müsse. Seine aktuelle Unentschlossenheit wird als größtes Hindernis für den Erfolg der Bewerbung kritisiert.
Die Architekten von Gerkan, Marg und Partner (gmp) haben bereits einen detaillierten Plan für die Nutzung des ehemaligen Flughafengeländes in Tegel als Expo-Areal vorgelegt. Dieser Entwurf bleibt jedoch vorerst in der Schublade, solange der Senat keine einheitliche Linie findet. Die Zeit drängt, da die internationale Entscheidung über den Austragungsort 2035 in den kommenden Jahren ansteht.



