Brandenburg: Mangel an HIV-Versorgung in ländlichen Regionen
Potsdam • In Brandenburg fehlt es an wohnortnahen Angeboten für HIV-Patienten. Das Flächenland verfügt lediglich über zwei Schwerpunktpraxen, die Prä- und Postexpositionsprophylaxen anbieten. Beide Einrichtungen befinden sich nach Angaben des Leiters des Referats für Infektionsschutz im Potsdamer Gesundheitsministerium, Ulrich Widders, in der unmittelbaren Umgebung Berlins.
Versorgung konzentriert sich auf Berliner Umland
Die beiden Praxen liegen im Villenvorort Kleinmachnow am südlichen Stadtrand und in der benachbarten Gemeinde Blankenfelde-Mahlow. Widders betonte zwar die Bedeutung der AIDS-Hilfen in Potsdam und Cottbus für Testungen und Beratungsangebote, räumte jedoch ein: „Wir unternehmen viele Anstrengungen, um die Versorgung der HIV-Infizierten sicherzustellen, aber in einem Flächenland wie Brandenburg gestaltet sich das nicht so einfach.“
Viele Brandenburger nutzen daher Angebote in der Hauptstadt Berlin. Der Experte verwies auf die infrastrukturellen Herausforderungen, die mit der geografischen Ausdehnung des Bundeslandes verbunden sind.
Mehr als 1.200 gemeldete HIV-Fälle seit 2001
Seit dem Inkrafttreten des Infektionsschutzgesetzes im Jahr 2001 hat das Land Brandenburg 1.297 HIV-Fälle an das Robert Koch-Institut übermittelt. Die Statistik zeigt dabei eine deutliche Geschlechterverteilung:
- 934 männliche Patienten
- 363 weibliche Patienten
„Gerade in der Hauptbetroffenengruppe, der Männer, die Sex mit Männern haben, ist eine positive Entwicklung zu sehen“, erklärt Widders. Allerdings beobachte man seit dem Ende der Corona-Pandemie auch „eine gewisse Sorglosigkeit“, die um sich greife. Diese Entwicklung bereitet den Gesundheitsbehörden Sorgen.
Präventionsangebote und Herausforderungen
HIV-Schnelltests, die innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis liefern, stellen einen wichtigen Bestandteil der Präventions- und Beratungsangebote dar. Doch die räumliche Konzentration der spezialisierten Versorgung auf das Berliner Umland erschwert den Zugang für Bewohner entfernterer Regionen Brandenburgs.
Die Gesundheitspolitik steht vor der Aufgabe, trotz der strukturellen Gegebenheiten eines Flächenlandes eine flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Dabei spielen nicht nur medizinische Einrichtungen, sondern auch Aufklärungsarbeit und niedrigschwellige Testangebote eine entscheidende Rolle.



