Geheimer Konvoi: Bewaffnete Soldaten auf deutschen Straßen
In den nächsten Tagen könnten Autofahrer in mehreren Bundesländern auf bewaffnete Soldaten treffen. Die Bundeswehr verlegt für eine großangelegte Gefechtsübung nahezu eine komplette Panzerbrigade. Rund 3000 Soldaten aus Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen und Hessen werden mit Radpanzern und anderem schweren Gerät zum Truppenübungsplatz in Bergen (Niedersachsen) ausrücken. Die Truppenbewegungen erfolgen gestaffelt auf Bundes- und Landstraßen.
Die Bundeswehr bittet Autofahrer um besondere Vorsicht: Kolonnen sollten nicht überholt werden, und es ist verboten, sich in die Lücken zwischen den Militärfahrzeugen zu drängen. Die Konvois sind als geschlossene Verbände gekennzeichnet und genießen Sonderrechte im Straßenverkehr. So darf ein geschlossener Verband beispielsweise komplett bei Rot über eine Ampel fahren, wenn das erste Fahrzeug die Kreuzung noch bei Grün überquert hat.
Radpanzer und hunderte Soldaten aus Mecklenburg-Vorpommern
Vom Jägerbataillon 413 in Torgelow (Vorpommern-Greifswald) werden am Wochenende mehrere Hundert Soldaten Richtung Niedersachsen abrücken, wie Oberstleutnant Andy Öhlschläger mitteilt. Die rund 400 Kilometer zum Truppenübungsplatz legt das Kontingent aus Mecklenburg-Vorpommern im sogenannten Gefechtsmarsch zurück, als ob es ein realer Einsatz wäre. „Die Verlegung erfolgt unter taktischen Bedingungen mit Sicherung und angenommener Bedrohungslage“, erklärt Öhlschläger. Die Radpanzer vom Typ Boxer fahren mit montierter Bewaffnung. Auf Rastplätzen wird der Konvoi von bewaffneten Soldaten gesichert. „Die Anfahrt ist bereits Teil der Übung. Das ist kein Kaffeekränzchen“, so Öhlschläger.
Die Verlegung von so vielen Soldaten und Fahrzeugen kann „natürlich auch zu kleineren Beeinträchtigungen des Straßenverkehrs führen“, räumt der Oberstleutnant ein. Verkehrsteilnehmer sollten beachten, dass mit Flaggen gekennzeichnete Militär-Kolonnen als ein Fahrzeug gelten und Sonderrechte haben. Auf welchen Straßen und Strecken genau mit Einschränkungen durch Militärfahrzeuge zu rechnen ist, dazu machte die Bundeswehr keine Angaben. Die Routen der Konvois unterliegen der operativen Sicherheit.
Übung unter realitätsnahen Bedingungen
Die nach Niedersachsen entsendeten Einheiten gehören zur Panzerbrigade 21 „Lipperland“. Auf der Ende April beginnenden Feldeinsatzübung in Bergen sollen Kampftruppe, Pioniere, Aufklärungs- und Logistikeinheiten unter realitätsnahen Bedingungen gemeinsam trainieren. Das bedeutet unter anderem: Die Munition für das Gefechtsschießen wird nicht im Vorfeld am Übungsplatz bereitgestellt, sondern aus Depots herangeführt und über taktische Übergabepunkte an die Truppe verteilt.
„Die Versorgungspunkte sind getarnt und werden durchgehend gesichert - inmitten öffentlicher Infrastruktur“, teilt die Bundeswehr mit. In einem realen Szenario seien solche Orte priorisierte Angriffsziele des Feindes, die es zu schützen gilt.
Kommandeur: „Angespannte sicherheitspolitische Lage“
Zum Hintergrund der Übung erklärt der Brigadekommandeur, Oberst Tobias Aust: „Die sicherheitspolitische Lage bleibt angespannt.“ Es sei deshalb entscheidend, die Einsatzbereitschaft kontinuierlich zu festigen. Die Panzerbrigade 21 „Lipperland“ gehört zu den sofort verfügbaren Krisenreaktionskräften, „die schnell und vielseitig entlang der gesamten Nato-Ostflanke und darüber hinaus eingesetzt werden können“, so der Oberst. Der Großverband verfüge über eine hohe Mobilität und starke Feuerkraft.



