Ende einer Wurst-Ära in Brandenburg: Traditionsmarke Eberswalder zieht um
Eberswalder-Wurst: Traditionsmarke verlässt Brandenburg

Ende einer Wurst-Ära in Brandenburg: Traditionsmarke Eberswalder zieht um

Für Rostbratwürste ohne Darm und Knüppelsalami ist die Marke Eberswalder bekannt und gilt vielen als ostdeutsche Kultmarke. Doch nach fast 50 Jahren endet die Produktion in der traditionsreichen Wurstfabrik im brandenburgischen Britz bei Eberswalde nordöstlich von Berlin. Ende Februar schließt das Werk – ein schwerer Schlag für rund 500 Beschäftigte.

Trauerfeier am Werkstor

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten NGG plant eine symbolische Trauerfeier am Werkstor. Mit einem letzten Grillen wollen Gewerkschafter und Mitarbeiter der langen Tradition gedenken. Wenn eine lange Tradition endet, ist das ein schmerzlicher Verlust, betont die Gewerkschaft.

Marke bleibt, Produktion wandert

Das Unternehmen, das zur Zur-Mühlen-Gruppe und damit zum Fleischriesen Tönnies aus Nordrhein-Westfalen gehört, gibt die Marke Eberswalder jedoch nicht auf. Ein Unternehmenssprecher erklärt: Es gibt hunderttausende Kunden, die die haben wollen. Künftig soll die Wurst an ostdeutschen Standorten in Chemnitz, Suhl und Zerbst hergestellt werden. Das Rezept und die Verwendung ostdeutscher Rohstoffe wie Schweinefleisch bleiben unverändert.

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Wirtschaftliche Gründe für die Schließung

Zur Begründung der Werksschließung teilte das Unternehmen im Januar mit: Leider mussten wir feststellen, dass es unter den gegebenen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen keine realistische Perspektive gibt. Die Gewerkschaft NGG wirft der dahinterstehenden Tönnies-Gruppe, die als Premium Food Group firmiert, eine rücksichtslose Rendite- und Marktbereinigungspolitik vor.

Ost-Marken im Wandel

Die Eberswalder-Wurst ist kein Einzelfall. Zahlreiche Marken mit Kultstatus aus DDR-Zeiten wie Halloren-Kugeln, Filinchen-Brot oder Bautzner Senf haben überlebt, sind aber oft von westdeutschen oder ausländischen Unternehmen übernommen worden. Beispiele sind die Übernahme des Backunternehmens Kathi aus Sachsen-Anhalt durch Dr. Oetker oder der Verkauf der Spülmittelmarke Fit an einen spanischen Besitzer.

Experten warnen vor Vertrauensverlust

Markenexperten sehen in solchen Übernahmen ein grundsätzliches Problem. Professor Oliver Errichiello von der Hochschule Mittweida erklärt: Wir sprechen ja eigentlich hier von kulturellen Schätzen – von Dingen, mit denen ich aufgewachsen bin, die meinen Alltag geprägt haben. Er beobachtet einen Vertrauensverlust für ostdeutsche Marken, da hinter vielen nicht mehr ostdeutsche Unternehmen stehen.

Sein Kollege Arnd Zschiesche ergänzt: Waren Ostmarken einst kleine, bunte, sympathische Waren-Leuchttürme, die zeigten, was in den neuen Bundesländern möglich ist, gilt nun nur noch Fressen oder Gefressen-werden.

Zukunft der Marke Eberswalder

Ob die Marke Eberswalder trotz des Standortwechsels ihre Identität bewahren kann, bleibt abzuwarten. Das Unternehmen betont, dass Geschmack und Qualität gleich bleiben sollen. Für die Region Brandenburg bedeutet der Wegzug jedoch das Ende einer Ära und den Verlust von Arbeitsplätzen in der Lebensmittelindustrie.

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