Ein neuer Dokumentarfilm über den letzten DDR-Staatschef Egon Krenz hat eine breite Kontroverse entfacht. Nach der Uraufführung des Werks „Kommunist“ beim Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin meldeten sich kritische Stimmen zu Wort. Der Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur in Mecklenburg-Vorpommern, Burkhard Bley, sowie die CDU-Fraktion im Schweriner Landtag äußerten scharfe Kritik an der Produktion von Regisseur Lutz Pehnert.
Vorwurf der Verharmlosung
Bley bezeichnete den Film in einer offiziellen Mitteilung als „misslungen“. Er argumentierte, dass die Produktion keinen differenzierten Beitrag zur Aufarbeitung der SED-Diktatur leiste, sondern „bewusst ein geschöntes Bild von der DDR“ vermittele. Der Film unterschlage historische Fakten und bediene sich auf manipulative Weise der Bildsprache der DDR-Propaganda. „Damit verhöhnen der Film und sein Protagonist Egon Krenz hunderte Todesopfer des unmenschlichen Grenzregimes und ihre Angehörigen sowie alle, die unter dem SED-Unrecht zu leiden hatten“, so Bley.
Die kulturpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Katy Hoffmeister, sprach von einer politischen Verklärung des letzten DDR-Staatsratschefs. „Der Film vermittelt jungen Menschen ein gefährlich verzerrtes Bild der DDR“, kritisierte sie. Sie bemängelte insbesondere die staatliche Förderung des Films durch die Filmförderung Mecklenburg-Vorpommern. „Es kann nicht Aufgabe staatlicher Förderung sein, die Legenden ehemaliger SED-Kader mit Steuergeld aufzupolieren“, erklärte Hoffmeister. Mecklenburg-Vorpommern trage als ostdeutsches Land eine besondere Verantwortung für die Opfer der kommunistischen Diktatur.
Kulturministerium verteidigt Förderprozess
Aus dem Kulturministerium Mecklenburg-Vorpommern hieß es, eine kritische Auseinandersetzung mit dem Film „Kommunist“ sei wichtig. Der Film und seine Inhalte seien das Produkt des Autors und Regisseurs Lutz Pehnert. „Ob ein Stoff eine Förderung erfährt, obliegt einem staatlich unabhängigen fachkundigen Vergabegremium.“ Die Förderentscheidung fiel demnach im Jahr 2024. Eine Beurteilung der möglichen Ausgewogenheit des späteren Werks sei zum Zeitpunkt der Förderentscheidung – vor der Erstellung – in der Regel noch gar nicht möglich.
Filmkunstfest stellt sich hinter Regisseur
Das Filmkunstfest Mecklenburg-Vorpommern verteidigte Pehnert. In einer Stellungnahme betonte das Festival, dass sein Film keine TV-Geschichtsdokumentation sei, sondern eine essayistische, künstlerische Annäherung an die öffentliche Person von Egon Krenz und eine Auseinandersetzung mit ihr. Der Regisseur verwende eine Vielzahl von Stilmitteln, benutze vielfältiges Archiv- und audiovisuelles Quellenmaterial und dokumentiere Zeitzeugengespräche, darunter auch politische Gegner von Krenz. „Er verschweigt nicht, dass es sich bei Krenz um eine kontroverse Persönlichkeit handelt, und verschweigt seine Verurteilung wegen der Mauertoten nicht.“
Das Festival habe mit der Uraufführung von „Kommunist“ eine Möglichkeit geschaffen, sich über den Film eine fundierte eigene Meinung zu bilden und sich mit dem Werk in einer öffentlichen Veranstaltung auseinanderzusetzen. Der Moderator des Filmgesprächs im Anschluss an die Uraufführung habe kritische Fragen an den Regisseur gerichtet.
Regisseur Pehnert äußert sich
Pehnert selbst meldete sich beim NDR zu Wort. Er sagte dem Sender zufolge, er habe den letzten DDR-Staatsratsvorsitzenden Krenz in seiner Widersprüchlichkeit porträtieren wollen. Sein Dokumentarfilm sei keine journalistische Produktion, sondern eher ein filmischer Essay. „Ich hatte nicht die Absicht, einen weiteren journalistischen Aufarbeitungsfilm zu machen. Und ein Dokumentarfilm leistet sich eine andere Herangehensweise. Und das schließt natürlich ein, dass man nicht alle Aspekte, die man vielleicht von einem solchen Thema erwartet, erfüllen kann.“



