Brandenburg führt bundesweit erstmals humanistische Gefängnisseelsorge ein
In der Brandenburger Justizvollzugsanstalt Neuruppin-Wulkow wurde im Januar 2026 ein bundesweit einzigartiges Angebot etabliert: die erste humanistische Gefängnisseelsorge. Diese nicht-religiöse Begleitung wird durch den Humanistischen Verband Berlin-Brandenburg bereitgestellt und erweitert die bisherigen Seelsorgeformate im Justizvollzug um eine weltanschauliche Alternative.
Ergänzung zu bestehenden religiösen Angeboten
Brandenburgs Justizminister, Dr. Benjamin Grimm von der SPD, betonte die Bedeutung dieser Neuerung. „Die humanistische Gefängnisseelsorge ist eine wichtige Ergänzung der bisherigen Angebote“, erklärte er. „Sie orientiert sich an den weltanschaulichen Hintergründen der Gefangenen und leistet einen wertvollen Beitrag zur individuellen Begleitung, Stabilisierung und Resozialisierung.“
Mit dieser Einführung reagiert das Land Brandenburg auf eine gesellschaftliche Entwicklung: Rund 80 Prozent der Bevölkerung leben ohne religiöse Bindung, haben aber weiterhin Bedarf an professioneller Unterstützung in existenziellen Lebenslagen. Dies gilt insbesondere für Gefangene, die oft mit schwierigen persönlichen Fragen konfrontiert sind.
Weltliche Begleitung im Fokus
Katrin Raczynski, Vorstandsvorsitzende des Humanistischen Verbandes Berlin-Brandenburg, erläuterte den Ansatz: „Mit der humanistischen Gefängnisseelsorge schaffen wir ein Angebot für Menschen, die sich eine weltlich-humanistische Begleitung wünschen“. Im Mittelpunkt stehen dabei:
- Das Zuhören und Ernstnehmen persönlicher Fragen
- Die Unterstützung bei der Auseinandersetzung mit dem eigenen Leben
- Die Reflexion eigener Entscheidungen ohne religiösen Bezug
Dieser humanistische Ansatz soll Gefangenen helfen, ihre Situation zu bewältigen und Perspektiven für die Zukunft zu entwickeln. Die Seelsorge erfolgt durch speziell geschulte Mitarbeiter des Verbandes, die auf die Bedürfnisse konfessionsloser Menschen eingehen.
Pionierrolle im deutschen Justizvollzug
Brandenburg übernimmt mit dieser Initiative eine Vorreiterrolle im deutschen Strafvollzug. Bislang waren Seelsorgeangebote in Gefängnissen überwiegend religiös geprägt, etwa durch christliche oder muslimische Vertreter. Die humanistische Gefängnisseelsorge bietet nun eine Alternative für die wachsende Gruppe konfessionsloser Inhaftierter.
Das Potsdamer Justizministerium sieht in diesem Schritt eine notwendige Anpassung an die gesellschaftliche Realität. Die Einrichtung in Neuruppin-Wulkow dient dabei als Modellprojekt, das bei Erfolg möglicherweise auf andere Justizvollzugsanstalten in Brandenburg und bundesweit ausgeweitet werden könnte.



