Kulturerbe-Siegel für Mecklenburgische Seenplatte angestrebt
Kulturerbe-Siegel für Seenplatte angestrebt

Kommunalpolitiker wollen Kulturerbe-Titel in die Seenplatte holen

Der Nordosten hat mindestens so viel zu bieten wie Griechenland, Italien und Frankreich. Das findet der Kulturausschuss des Kreistags und hat eine Idee auf den Weg gebracht.

Die Burg in Penzlin, die Deutsche Tanzkompanie in Neustrelitz, die Brauerei in Dargun: Die Mecklenburgische Seenplatte hat kulturell einiges zu bieten – das dürfte wohl niemand abstreiten. Jetzt aber soll das Flächenland sogar zum Europäischen Kulturerbe erklärt und mit einem entsprechenden Siegel geadelt werden. Die BSW-Fraktion des Kreistags strebt den Titel an und hat ihren Vorschlag jetzt dem Kulturausschuss vorgelegt.

Mit sieben Stimmen und vier Enthaltungen votierten die Ausschussmitglieder bei ihrer jüngsten Sitzung in Neustrelitz dafür, dass die Kreisverwaltung „die Möglichkeit einer Bewerbung um das Europäische Kulturerbe-Siegel für die historischen Kulturlandschaften der Planungsregion Mecklenburgische Seenplatte prüfen“ und eine Arbeitsgruppe bilden soll. Die Abstimmung der Ausschussmitglieder dient als Empfehlung für den Kreistag, der sich voraussichtlich bei seiner nächsten Sitzung im Juni mit dem Thema auseinandersetzen wird.

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Ausgezeichnet werden Meilensteine

„Seit 2011 zeichnet die Europäische Union Kulturdenkmale, Kulturlandschaften, kulturelle Stätten und Gedenkstätten mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel aus“, heißt es in der Erklärung des BSW. Qualifiziert seien „Stätten, die symbolisch und beispielhaft für die europäische Einigung sowie die Ideale und Geschichte Europas stehen und diese Bedeutung mit geeigneten Aktivitäten zum Ausdruck bringen“. Ausgezeichnet würden Sehenswürdigkeiten, „die Meilensteine auf dem Weg zur Schaffung des heutigen Europas sind“. „Sie würdigen und symbolisieren sowohl die europäischen Ideale und Werte als auch die Geschichte und Integration Europas.“ Bislang seien 67 Stätten mit dem Kulturerbe-Siegel ausgestattet, darunter aber bislang keine im nordeuropäischen Bereich.

Die BSW-Fraktion spinnt ihren Gedanken sogar weiter: „In einer längerfristigen Perspektive ließe sich weiterhin daran denken, die Nominierung für eine Unesco-Welterbestätte anzustreben.“ An Gründen mangelt es den Kommunalpolitikern nicht.

Alleen und Gutshäuser als Flaggschiffe

„In keiner Region Deutschlands lässt sich ein so ausgeprägtes, über Jahrhunderte entstandenes Landschaftsbild mit einer solchen Dichte historischer Guts- und Parkanlagen aufweisen wie in Mecklenburg-Vorpommern. Sie und die sie umgebenden Seen, Felder und Waldbereiche prägen den öffentlichen Raum und machen die Region zu einem weithin sichtbaren Aushängeschild des ganzen Landes“, heißt es in der Beschlussvorlage, über die bald der Kreistag abstimmen wird. In der Zentralmecklenburgischen Seenplatte sei „die besondere kulturlandschaftliche Entstehung und Prägung erlebbar und ein vielschichtiges, natürliches und von menschlicher Gestaltung geformtes Landschaftspotenzial von herausragender Ausprägung und Wertigkeit“. Die Kreispolitiker nennen als Beispiele Parklandschaften und Alleen mit Guts- und Herrenhäusern.

Schon der Regionale Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte habe im Jahr 2015 „besonders wertvolle Kulturlandschaften identifiziert und definiert“. Die Mecklenburgische Seenplatte sei schon damals als „größte herausragende historische Kulturlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern ausgezeichnet und mit dem Prädikat der besonderen Schutzwürdigkeit versehen worden“.

Siegel könnte Touristen anlocken

Um ihre Mit-Politiker zu überzeugen, haben die BSW-Mitglieder Vorteile eines solchen Siegels aufgelistet. Dazu gehören „Erhöhung der Sichtbarkeit und Attraktivität“, „Förderung des Kulturtourismus“ und „Unterstützung der lokalen Gemeinschaften“. Der Titel fördere die Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Kulturerbe-Stätten und ermögliche es, gemeinsame Marketingaktivitäten zu entwickeln, außerdem Fördermittel zu generieren.

Sollte das Vorhaben gelingen, reihen sich Burg Stargard, die Ivenacker Eichen, der Helpter Berg und andere Leuchttürme in der Seenplatte ein in eine Reihe, in der auch die Akropolis in Athen (Griechenland), der Kapitolsplatz in Rom (Italien) und der Ehrenplatz des Papstpalastes in Avignon (Frankreich) zu finden sind.

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