Patientensteuerung als Lösung für überlastete Notaufnahmen in Berlin und Brandenburg
Patientensteuerung gegen überfüllte Notaufnahmen

Patientensteuerung als Antwort auf überlastete Notaufnahmen

Die Notaufnahmen in Berlin und Brandenburg stehen vor enormen Herausforderungen. Während Berlin mit der höchsten Arztdichte Deutschlands glänzt, kämpft Brandenburg mit einem eklatanten Ärztemangel. Doch selbst in der Hauptstadt sind die medizinischen Fachkräfte ungleich verteilt, was dazu führt, dass Patienten oft keinen zeitnahen Arzttermin erhalten und stattdessen die Notaufnahmen der Krankenhäuser aufsuchen.

Länderübergreifende Kooperation gefordert

Das Netzwerk „Gesundheitsstadt Berlin“ lud kürzlich zu einer Fachveranstaltung in die Vertretung des Landes Brandenburg in Berlin ein. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie die Notfallversorgung in beiden Bundesländern verbessert werden kann. Mario Czaja, Präsident des Berliner DRK, betonte: „Viele Patienten sind in der Akutversorgung, weil die anderen Instrumente nicht funktionieren.“ Er forderte einen speziellen Bereitschaftsdienst von Gesundheitsfachkräften als erste Ansprechpartner für Patienten.

Czaja verwies auf die enge Verflechtung beider Bundesländer: „20 Prozent der Patienten in Berlin stammen aus Brandenburg, und 50 Prozent der Brandenburger leben im Berliner Autobahnring.“ Diese Tatsache mache eine länderübergreifende Zusammenarbeit unverzichtbar.

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Praktische Herausforderungen in der Notfallversorgung

Tom Malisch, Leiter der Rettungsstelle der Universitätsklinik in Brandenburg an der Havel, hob bestehende Kooperationen wie die gemeinsame Krankenhausplanung oder die Katretter-App hervor. Sein zentrales Anliegen: „Mein Wunsch wäre es, zu überlegen, wie wir die Notfallversorgung gemeinsam sektorenübergreifend und aus Sicht der Patientinnen und Patienten hinbekommen.“

Martin Pin, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin, schilderte die Realität in den Notaufnahmen: „Wir sehen oft Menschen, die eigentlich alles richtig gemacht haben. Sie waren beim Hausarzt, beim Orthopäden, haben einen MRT-Termin, aber irgendwann versagen die Nerven.“ Die langen Wartezeiten in der ambulanten Versorgung trieben viele Patienten in die Notaufnahmen.

Innovative Lösungsansätze im Fokus

Rebecca Zeljar, Leiterin des Landesbüros des Verbands der Ersatzkassen in Berlin und Brandenburg, plädierte für ein System der Patientensteuerung. „So könnte es etwa eine digitale Ersteinschätzung von Patientinnen und Patienten geben, aufgrund derer diese dann den Weg in eine Arztpraxis oder ein Krankenhaus anträten.“ Sie betonte die Bedeutung telemedizinischer Anwendungen als zukunftsweisende Lösung.

Pin ergänzte: „Menschen lassen sich ungern fremdbestimmt steuern, aber sie lassen sich gerne durch ein System führen: Wenn sie ein Gefühl haben, einen echten Benefit zu sehen, nutzen sie das auch.“ Die Akzeptanz der Patienten sei entscheidend für den Erfolg solcher Systeme.

Michael Oppert, Leiter der Notaufnahme im Potsdamer Ernst-von-Bergmann-Klinikum, verwies auf die wachsende Belastung durch die zunehmende Ambulantisierung medizinischer Leistungen. „Die Patienten kommen, weil sie den Weg des geringsten Widerstands gehen. Sie gehen dahin, wo es am Besten, am Schnellsten, am Einfachsten funktioniert.“

Die Experten sind sich einig: Nur durch innovative Ansätze zur Patientensteuerung, verbesserte länderübergreifende Kooperation und die Überwindung der Sektorengrenzen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung können die überlasteten Notaufnahmen in Berlin und Brandenburg nachhaltig entlastet werden.

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