Rechtsextreme Partei »Der III. Weg« eröffnet erstes eigenes Büro in Brandenburg
Die rechtsextreme Kleinpartei »Der III. Weg« hat im brandenburgischen Wittstock/Dosse ein Bürgerbüro eröffnet und baut damit ihre Strukturen in dem Bundesland systematisch aus. Das Innenministerium in Potsdam zeigt sich besorgt über diese Entwicklung und rechnet mit weiteren Aktivitäten der als verfassungsfeindlich eingestuften Gruppierung.
Erste eigene Immobilie der Partei in Brandenburg
Mit dem neu eröffneten Partei- und Bürgerbüro im Zentrum der 14.000-Einwohner-Stadt verfügt »Der III. Weg« über seine erste eigene Immobilie im Land Brandenburg. Ein Sprecher des Innenministeriums erklärte, dass die Partei damit ihre Aktivitäten wie Schulungen und sogenannte Stützpunktabende deutlich einfacher organisieren könne. »Vor diesem Hintergrund ist damit zu rechnen, dass die Partei zukünftig weitere Immobilien im Land unter ihre Kontrolle bekommen möchte«, so der Ministeriumssprecher. »Ebenso sind weitere Stützpunktgründungen zu erwarten.«
Das Ministerium bestätigte, dass die Partei ihre Strukturen in den vergangenen Jahren kontinuierlich ausgebaut habe. Bereits jetzt existieren drei offizielle Stützpunkte in Brandenburg, wie aus dem aktuellen Verfassungsschutzbericht hervorgeht. Besonders aktiv ist die Gruppierung in der Uckermark und in Potsdam-Mittelmark.
Nationalsozialistische Ideologie und Jugendrekrutierung
Das Bundesamt für Verfassungsschutz bewertet die ideologischen Positionen von »Der III. Weg« eindeutig als nationalsozialistisch, antisemitisch und rassistisch. Besondere Besorgnis ruft die Nachwuchsorganisation »Nationalrevolutionäre Jugend« hervor, die gezielt junge Menschen für die rechtsextremistische Szene anwerben soll. Dabei setzt die Organisation bewusst auf attraktive Freizeitangebote wie Kampfsportaktivitäten, um Jugendliche zu ködern.
Die neu eröffneten Räumlichkeiten in Wittstock/Dosse spiegeln diese Strategie wider. Die Partei selbst beschreibt auf ihrer Internetseite, dass im Gebäude »nationalrevolutionäres Leben« herrschen soll. Das Haus verfügt über Schulungsräume, einen Sportraum und eine Bibliothek. Besonders provokativ ist die Namensgebung: Das Gebäude trägt den Namen »Herbert Schweiger Haus« – benannt nach einem der einflussreichsten Alt-Nazis Österreichs, der bis zu seinem Tod 2011 aktiv war.
Bürgerprotest und politische Reaktionen
Die Büroeröffnung hat in der brandenburgischen Stadt Wittstock/Dosse deutliche Besorgnis ausgelöst. Kerstin Zillmann, Sprecherin des Bündnisses »Wittstock bekennt Farbe«, berichtet von Angst und Überraschung in der Bevölkerung. »Es wurden alle davon überrascht«, sagte Zillmann. Das Bündnis plant nun konkrete Gegenmaßnahmen, darunter ein Banner am Rathaus mit der Aufschrift »Wittstock ist bunt«, das in unmittelbarer Nähe zum Parteibüro aufgehängt werden soll.
Bereits im vergangenen Sommer hatte eine Demonstration der rechtsextremen Partei in Spremberg in der Lausitz zu Protesten geführt. Die Bürgermeisterin der Stadt hatte zuvor beklagt, dass Hakenkreuze, SS-Runen und Veranstaltungen des »Dritten Weg« in der Stadt stark zugenommen hätten. Die jüngste Entwicklung in Wittstock unterstreicht die wachsende Präsenz rechtsextremer Strukturen in Brandenburg.
Gewalttätiger Übergriff und Sicherheitslage
Am vergangenen Sonntag kam es zu einem gewalttätigen Vorfall, als ein bislang Unbekannter Steine gegen die Fensterscheiben des neu eröffneten Parteibüros warf. Dieser Übergriff verdeutlicht die angespannte Stimmung in der Region. Fachleute aus Beratungsteams unterstützen die Stadt Wittstock bereits im Umgang mit Rechtsextremismus, wie Zillmann bestätigte. Die Situation erfordert klare Signale von Politik und Zivilgesellschaft gegen rechtsextreme Bestrebungen.
Die Expansion von »Der III. Weg« in Brandenburg stellt eine ernste Herausforderung für die demokratischen Kräfte im Land dar. Mit der Eröffnung des ersten eigenen Parteibüros und den angekündigten weiteren Aktivitäten zeigt die rechtsextreme Kleinpartei, dass sie ihre Präsenz in der Region systematisch ausbauen will. Die Reaktionen von Bürgern, Kommunen und Sicherheitsbehörden werden entscheidend dafür sein, wie sich die Situation in den kommenden Monaten entwickelt.



