Acht restaurierte Musen-Skulpturen kehren in den Park Sanssouci zurück
Potsdam • Nach etwa einem halben Jahr intensiver Restaurierungsarbeiten erstrahlen nun acht historische Musen-Skulpturen wieder in frischem Glanz im westlichen Lustgarten des Parks Sanssouci in Potsdam. Wie die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg mitteilte, wurden die kunstvollen Figuren sorgfältig auf ihre originalen Sockel gehoben und kehren damit an ihren angestammten Platz zurück.
Die Hüterinnen der Künste und ihre Bedeutung
Die griechischen Musen gelten als Töchter von Mnemosyne, der Göttin der Erinnerung, und des Göttervaters Zeus. Im Potsdamer Rondell sind acht dieser kunsthistorisch bedeutsamen Figuren versammelt, die jeweils unterschiedliche Künste repräsentieren:
- Kaliope mit Buch, Flamme und Schreibgriffel als Muse des heroischen Gesanges
- Terpsichore mit Tamburin als Muse des Tanzes
- Euterpe ursprünglich mit zwei Flöten als Muse der Lyrik
- Thalia mit Kastagnetten und Schriftrolle als Muse der Komödie
- Melpomene mit Buch, Krone und Dolch als Muse der Tragödie
- Erato mit Blasinstrument, Lyra und Helm als Muse des Liebesliedes
- Klio mit Buch und Schreibfeder als Muse der Geschichtsschreibung
- Polyhymnia mit Schriftblatt als Muse des Gesangs
Interessanterweise fehlt im Potsdamer Ensemble die neunte Muse Urania, die traditionell für die Astronomie steht. Bereits im 7. Jahrhundert vor Christus wurden nach Hesiod neun Musen als Hüterinnen der Künste benannt.
Umfangreiche Restaurierungsarbeiten
Die Restaurierung der wertvollen Skulpturen umfasste mehrere aufwendige Schritte. Beschädigte Stellen wurden fachmännisch ausgebessert, Verfärbungen durch Umwelteinflüsse gründlich gereinigt und lose Teile stabilisiert. Abschließend erhielten alle Figuren eine spezielle Schutzlasur, die sie vor zukünftigen Witterungseinflüssen bewahren soll.
Bereits im 19. Jahrhundert befanden sich die Skulpturen in einem besorgniserregenden Zustand, wie die Stiftung berichtet. Damals wurden von Thalia und Melpomene Kopien angefertigt. Die letzte umfassende Restaurierung fand zwischen 1991 und 1998 statt, was die aktuelle Maßnahme zu einer wichtigen Erhaltungsinitiative macht.
Künstlerischer Ursprung und historischer Kontext
Geschaffen wurden die beeindruckenden Musen-Skulpturen von dem Berliner Bildhauer Friedrich Christian Glume, der von 1714 bis 1752 lebte. Als geistiger Ideengeber gilt Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff, ein bedeutender Architekt des preußischen Rokoko.
Eine historische Zeichnung aus dem Berliner Kupferstichkabinett zeigt die acht Musen mit ihren charakteristischen Attributen. Kunsthistoriker vermuten, dass die letzten Lebensjahre Glumes etwa mit der Entstehungszeit dieser Skulpturen zusammenfallen, was ihnen eine besondere biografische Bedeutung verleiht.
Die Rückkehr der restaurierten Musen in den Park Sanssouci markiert einen wichtigen Schritt zur Bewahrung des kulturellen Erbes Potsdams. Besucher können nun wieder die vollständige Pracht dieser kunstvollen Figurengruppe bewundern, die seit Jahrhunderten die Wege des westlichen Lustgartens säumt.



