Schutzburg für Kinder: Aus Schokoladenfabrik wird Familienzentrum
Schutzburg für Kinder: Schokoladenfabrik wird Familienzentrum

In der Dresdner Johannstadt hat Peter Hoffmeister eine alte Schokoladenfabrik in ein Familienzentrum verwandelt. Dafür wurde das Projekt nun mit dem Bundespreis Umwelt & Bauen ausgezeichnet. Der Schornstein der Ruine war für Hoffmeister das Symbol: „Da kann man eine Schutzburg bauen, einen Schutzraum für Kinder“, sagt er heute. Gemeinsam mit Architekt Alexander Pötzsch entstand aus der Industrieruine ein Ort für Kinder, Jugendliche und Familien.

Von der Ruine zur Utopie

Der Weg war steinig: Die erste Kostenschätzung lag bei 3,6 Millionen Euro, die Bank bot nur drei Millionen Kredit. Nach Verhandlungen mit dem sächsischen Innenministerium flossen 2,3 Millionen Euro aus der Städtebauförderung. Doch dann kam die Corona-Pandemie und die Kosten explodierten. Der Verein nahm Schulden von 1,3 Millionen Euro auf, um das Projekt zu realisieren. „Es war ein steter Kampf“, erinnert sich Hoffmeister.

Erhalt statt Abriss

Von Anfang an wurde Hoffmeister angefeindet, weil er die Ruine erhalten wollte. „Wie blöd seid ihr denn? Warum reißt ihr nicht ab?“, hieß es. Doch für ihn war klar: Das Haus bleibt stehen. Architekt Pötzsch betont: „Das war ein Bekenntnis: nicht abreißen, sondern anpacken.“ Die Fabrikhalle aus dem 19. Jahrhundert blieb größtenteils erhalten. Ein Hallendach wurde für einen Innenhof entfernt, auf dem historischen Bestand entstand ein Obergeschoss in Holzbauweise.

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Nachhaltiges Bauen im Bestand

Das Gebäude kommt ohne aufwendige Haustechnik aus und setzt auf natürliche Belüftung. Offene Ziegelwände erinnern an den ursprünglichen Fabrikbau. Historische Bauteile wie Tore und Fenster wurden aufgearbeitet und wiederverwendet. Der kontaminierte Boden des Innenhofs wurde mit einer Betondecke versiegelt. Das Budget lag unter dem eines Neubaus – „um mit der Mär aufzuräumen, dass Bauen im Bestand immer teurer ist“, so Pötzsch. Der Bundespreis Umwelt & Bauen würdigt genau solche Projekte.

Auszeichnungen und Bedeutung

Bereits im vergangenen Jahr erhielt das Familienzentrum den Erlweinpreis der Stadt Dresden. Hoffmeister freut sich über die Preise, sieht sie aber ambivalent: „Mir ist es nicht wichtig für mich persönlich. Aber dass wir Kinderschutz sichtbar machen – das ist wichtig.“ Er kritisiert, dass die Politik zu wenig Interesse zeige: „Als der Kinderschutzbund 20 Jahre alt war, kam von der Politik niemand.“

Ein Ort für die Gemeinschaft

Im Erdgeschoss nutzt die mobile Jugendarbeit ihre Kontakträume: Jugendliche können kickern, kochen oder sich beraten lassen. Der Innenhof wird zum Treffpunkt im Viertel. Unter dem Dach leben sieben Jugendliche in einer Wohngruppe. Hinzu kommen Beratungsangebote, die Vereinsgeschäftsstelle und das „Bibliotop“ – ein Treffpunkt mit begehbarem Bücherschrank. Hoffmeister sieht seine Utopie erfüllt: „Jedes Kind, das hier rauskommt und eine Perspektive hat, ist es wert, dass dieses Gebäude gebaut wurde.“

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