Brandenburg tanzt gegen Gewalt: Städte setzen am Valentinstag klares Signal
Statt romantischer Klischees standen am Valentinstag in mehreren brandenburgischen Städten tanzende Proteste gegen Gewalt an Frauen im Mittelpunkt. Die Aktionen waren Teil der weltweiten Bewegung „One Billion Rising“, die seit 2012 am 14. Februar öffentlichkeitswirksam auf geschlechtsspezifische Gewalt aufmerksam macht.
Justizminister kündigt schärfere Schutzmaßnahmen an
Brandenburgs Justizminister Benjamin Grimm (SPD) nutzte den Aktionstag, um auf geplante gesetzliche Verschärfungen hinzuweisen. „Bei Hochrisikofällen sollen Familiengerichte Gewalttäter zum Tragen elektronischer Fußfesseln verpflichten können“, erklärte Grimm im RBB-Programm Brandenburg Aktuell. Diesem technischen Überwachungsinstrument soll ein Warngerät für das potenzielle Opfer zur Seite gestellt werden, um rechtzeitige Flucht oder Hilfe zu ermöglichen.
Grimm verwies auf positive Erfahrungen mit diesem System in Spanien. Der entsprechende Gesetzentwurf wird Ende Februar im Bundestag beraten. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Schutz betroffener Frauen konkret und praktisch zu verbessern.
Potsdams Oberbürgermeisterin unterstützt die Bewegung
In Potsdam beteiligte sich Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) persönlich an einer Tanzdemonstration am Brandenburger Tor. „Eine Milliarde Frauen weltweit sind mindestens einmal in ihrem Leben von Gewalt betroffen. Das müssen wir noch viel stärker ans Licht bringen“, betonte Aubel. Ein Teil ihrer engagierten Rede wurde über Instagram verbreitet.
Unter Bezugnahme auf das diesjährige Motto „Ni una menos“ (nicht eine weniger) stellte sie klar: „Wir lassen keine Frau zurück, jede Frau zählt.“ Die Aktion verstand sich bewusst als kritischer Kontrapunkt zum kommerzialisierten Valentinstag, der traditionell romantische Paarbeziehungen idealisiert.
Breite Beteiligung in der gesamten Region
Neben Potsdam waren in zahlreichen weiteren brandenburgischen Kommunen Veranstaltungen geplant oder durchgeführt:
- Cottbus organisierte eigene Tanzaktionen
- In Rathenow, Angermünde und Königs Wusterhausen fanden ähnliche Proteste statt
- Oranienburg folgte mit einer Tanzveranstaltung auf dem Schlossplatz am Montag nach dem Valentinstag
Die Organisatoren, darunter das Netzwerk der brandenburgischen Frauenhäuser, betonten, dass die meiste geschlechtsspezifische Gewalt im vermeintlich geschützten Raum von Paarbeziehungen oder Familien stattfinde. Der Valentinstag mit seiner Fokussierung auf romantische Liebe biete daher einen besonders geeigneten Anlass für diese kritische Intervention.
Besorgniserregende statistische Entwicklung
Hintergrund der Aktionen sind alarmierende Zahlen: Im Jahr 2024 erreichten die von der Polizei in Brandenburg erfassten Fälle häuslicher Gewalt mit 6.790 Delikten den höchsten Stand seit fünf Jahren. Experten gehen zudem von einer erheblichen Dunkelziffer aus, da viele Übergriffe nicht angezeigt werden.
Die weltweite Bewegung „One Billion Rising“ („Eine Milliarde erhebt sich“) wurde 2012 von der Künstlerin und Aktivistin Eve Ensler ins Leben gerufen. Sie nutzt den Valentinstag bewusst, um mit friedlichen, tanzenden Demonstrationen an öffentlichen Plätzen ein Ende der Gewalt gegen Mädchen und Frauen zu fordern.
Die brandenburgischen Aktionen zeigen, dass das Thema Gewaltschutz auch in der regionalen Politik und Zivilgesellschaft zunehmend Priorität genießt. Sie verbinden lokales Engagement mit einer globalen Bewegung und setzen so ein deutliches Signal für mehr Aufmerksamkeit und konkrete Hilfsmaßnahmen.



