Woidke würdigt Karneval als Kulturerbe und nimmt Berlin humorvoll aufs Korn
Inmitten der heißen Phase der Koalitionsverhandlungen nahm sich Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) Zeit für ein besonderes Ereignis: den Empfang des Karnevalsverbands Berlin-Brandenburg in der Potsdamer Staatskanzlei. Trotz des politischen Endspurts ließ es sich der Regierungschef nicht nehmen, die Prinzenpaare persönlich zu empfangen und den Karneval als bedeutendes Kulturerbe zu würdigen.
Humorvolle Spitze gegen Berlins Dauertrubel
Bei seiner Ansprache nutzte Woidke die Gelegenheit für eine charmant-bissige Bemerkung gegenüber Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner (CDU). „Ich hätte jetzt gerne mit Kai Wegner auf der Bühne gestanden“, sagte der SPD-Politiker, fügte jedoch augenzwinkernd hinzu: „Aber es erklärt sich auch ein bisschen, wenn man in den letzten Monaten so nach Berlin geguckt hat. Berlin unterscheidet sich von Brandenburg: Brandenburg hat eine fünfte Jahreszeit und Berlin hat 365 Tage Karneval.“
Diese humorvolle Anspielung auf den als chaotisch wahrgenommenen politischen Betrieb in der Hauptstadt sorgte für Schmunzeln unter den Gästen. Bereits im vergangenen Jahr hatte Woidke den Wunsch geäußert, Wegner zur Karnevalsfeier in Potsdam einzuladen – bisher jedoch ohne Erfolg.
Karneval als Symbol für Zusammenhalt und Miteinander
Woidke betonte in seiner Rede die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung des Karnevals. Er stehe nicht nur für Frohsinn und Tradition, sondern auch für Zusammenhalt und ein friedliches Miteinander, so der Ministerpräsident. Gerade in unsicheren Zeiten seien solche Bräuche von unschätzbarem Wert für den gesellschaftlichen Kitt.
Der Karnevalsverband Berlin-Brandenburg setzt sich gemeinsam mit Verbänden aus Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen dafür ein, dass der Karneval als immaterielles Kulturerbe anerkannt wird. Woidke unterstützte dieses Anliegen ausdrücklich und verwies auf die reiche Tradition, die es zu bewahren gelte.
Politische Botschaft zwischen den Zeilen
Neben den karnevalistischen Höflichkeiten schwang in Woidkes Worten auch eine politische Botschaft mit. Die Betonung des brandenburgischen Weges – symbolisiert durch die „fünfte Jahreszeit“ – kontrastierte bewusst mit dem Bild des dauerhaften politischen „Karnevals“ in Berlin. Dies kann als subtiler Hinweis auf die unterschiedlichen Regierungsstile und Prioritäten der beiden Nachbarländer gelesen werden.
Der Empfang in der Staatskanzlei unterstrich einmal mehr, wie sehr sich Woidke als Bewahrer regionaler Traditionen inszeniert. In einer Zeit, in der globale Einflüsse lokale Bräuche oft verdrängen, setzt Brandenburg damit ein bewusstes Zeichen für die Wertschätzung des kulturellen Erbes.



