NDR-Umfrage enthüllt: Hamburger zeigen sich vor Olympia-Referendum skeptisch
Die Hamburger Bewerbung um die Olympischen Sommerspiele erleidet einen deutlichen Dämpfer. Eine aktuelle Umfrage des Instituts Infratest dimap im Auftrag des Norddeutschen Rundfunks (NDR) zeigt, dass eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger der Hansestadt den Plänen kritisch gegenübersteht. Nur 41 Prozent der Befragten bewerten eine Olympia-Bewerbung Hamburgs als "eher gut", während satte 50 Prozent sie als "eher schlecht" einstufen.
Politische und demografische Unterschiede prägen das Meinungsbild
Die Unterstützung für die Olympischen Spiele verteilt sich sehr ungleich über das politische Spektrum und die Altersgruppen. Lediglich bei den Anhängern von SPD und CDU findet die Bewerbung eine Mehrheit. Konkret sprechen sich 57 Prozent der SPD-Wähler und 50 Prozent der CDU-Wähler für die Pläne aus. Dagegen lehnen die Wähler der Grünen (53 Prozent), der AfD (57 Prozent) und der Linken (72 Prozent) die Olympia-Bewerbung mehrheitlich ab.
Ein deutliches Generationengefälle ist ebenfalls erkennbar: Nur in der Altersgruppe der 16- bis 34-Jährigen wird Olympia mehrheitlich positiv gesehen. In allen anderen Altersgruppen überwiegt die Ablehnung deutlich, was auf tiefsitzende Bedenken in der breiteren Bevölkerung hindeutet.
Hohe Kosten und Infrastruktursorgen als Hauptkritikpunkte
Die Hamburgerinnen und Hamburger nennen konkrete Gründe für ihre Skepsis. An erster Stelle stehen mit 79 Prozent die befürchteten hohen öffentlichen Kosten. Weitere wesentliche Bedenken sind:
- Unnötige Bau- und Infrastrukturprojekte (46 Prozent)
- Mögliche Überlastung der Infrastruktur und Übertourismus (41 Prozent)
- Druck auf den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt (34 Prozent)
- Sicherheitsprobleme während der Großveranstaltung (24 Prozent)
Diese Sorgen spiegeln wider, dass viele Bürger die langfristigen Auswirkungen einer solchen Mega-Veranstaltung kritisch hinterfragen.
Zeitlicher Kontext und nationale Konkurrenzsituation
Die Umfrage kommt zu einem kritischen Zeitpunkt: Am 31. Mai findet in Hamburg das Referendum über die Olympia-Bewerbung statt. Die aktuellen Zahlen bedeuten einen Rückschlag für die bisher optimistischen Bestrebungen der Stadt, die sich neben München, Berlin und der Region Köln/Rhein-Ruhr um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 bewirbt.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) wird am 26. September in Baden-Baden über eine deutsche Bewerbung entscheiden. Im nationalen Vergleich hat bislang nur München ein erfolgreiches Referendum durchgeführt, das mit einer Zustimmung von 66,4 Prozent endete. Die Region Rhein-Ruhr plant am 19. April eine Befragung in den nordrhein-westfälischen Kandidatenkommunen, während Berlin derzeit kein Referendum vorsieht.
Die Hamburger Entscheidung im Mai wird somit nicht nur über das lokale Olympia-Schicksal entscheiden, sondern auch die deutsche Bewerbungslandschaft maßgeblich beeinflussen.



