Mysteriöses Verschwinden: Hamburgs ältester Paternoster weg
In Hamburg sorgt ein rätselhafter Vorfall für Aufsehen: Der älteste Paternoster der Welt ist aus dem Flüggerhaus verschwunden. Die zuständigen Behörden haben Ermittlungen aufgenommen, doch bisher will niemand für das Verschwinden des historischen Fahrstuhls verantwortlich sein.
Ein Stück Technikgeschichte
Das Flüggerhaus wurde 1908 in Hamburg errichtet und erhielt damals eine weltweite Neuheit: einen offenen Paternosteraufzug. Nach Jahren der Nutzung wurde das technische Denkmal schließlich eingemauert und geriet in Vergessenheit – bis zu seiner spektakulären Wiederentdeckung im Jahr 2018.
Der österreichische Investor René Benko (48) übernahm später das Gebäude und beauftragte den Technik-Restaurator Patric Wagner mit der Sanierung des Paternosters. Für rund eine Million Euro sollte das historische Stück wiederhergestellt werden. Wagner erhielt bereits 216.000 Euro, als Benko spektakulär pleiteging. Zu diesem Zeitpunkt war die Restaurierung laut Wagner bereits zu 75 Prozent abgeschlossen.
Geheimnisvolle Übergabe
Der Hamburger Investor Harm Müller-Spree übernahm anschließend das Flüggerhaus. Am 16. Juni 2025 traf er sich mit Wagner, um über einen Anschlussauftrag zu sprechen. Ab diesem Zeitpunkt wird die Geschichte undurchsichtig.
Wagner behauptet, der Paternoster sei zu diesem Zeitpunkt weitgehend intakt und fahrtauglich gewesen. Ein Betriebstest sei lediglich an einer fehlenden Verlängerungsschnur gescheitert. Müller-Spree widerspricht dieser Darstellung vehement: „Als ich das Haus gekauft habe, war da nur ein Gestänge im Schacht. Fahrkabinen und alles andere fehlte. Ich gehe davon aus, dass das alles bei Herrn Wagner in der Werkstatt liegt.“
Der Restaurator weist diese Aussage entschieden zurück: „Bei mir liegt nichts mehr. Keine Holzteile, keine Portale, nichts. Ich habe alles ausgehändigt.“
Behörden in heller Aufregung
Fakt ist: Im Flüggerhaus befindet sich der Paternoster nicht mehr. Mitarbeiter der Denkmalschutzbehörde haben sich am Montag persönlich davon überzeugt und den betreffenden Baustellenbereich vorläufig stillgelegt.
Restaurator Wagner hatte die Sache angezeigt, nachdem er zufällig am Gebäude vorbeigekommen war und durch den Bauzaun erkennen konnte, dass der historische Fahrstuhl fehlte. Die zuständige Kulturbehörde will nun umfassende Ermittlungen einleiten. Sprecher Enno Isermann erklärt: „Wir müssen das klären.“
Das Flüggerhaus soll noch in diesem Jahr fertig saniert werden und anschließend Büros sowie Wohnungen beherbergen. Doch ohne den historischen Paternoster fehlt dem Gebäude ein wesentliches Stück seiner Identität. Technikfreunde und Denkmalschützer sind gleichermaßen bestürzt über den Verlust dieses einzigartigen technischen Kulturguts.



