Bahn plant Tempo-120-Strecke und Direktverbindung für Mecklenburg-Vorpommern
Nach monatelangen Bauarbeiten und Zugausfällen, die das Verhältnis zwischen Bahn und Fahrgästen in der Region belastet haben, gibt es nun konkrete Pläne für Verbesserungen im Schienenverkehr Mecklenburg-Vorpommerns. Sowohl die Deutsche Bahn als auch das Schweriner Wirtschaftsministerium haben ambitionierte Vorhaben für die Strecken und Bahnhöfe im Nordosten Deutschlands angekündigt.
Fahrgastwünsche und Bahnpläne im Überblick
Marcel Drews vom Fahrgastverband „Pro Bahn“ äußert sich deutlich zu den vergangenen Problemen: „Fahrgäste bewerteten die Sperrung als unhaltbaren Zustand mit deutlich verlängerten und unzumutbaren Fahrzeiten sowie mehrfachem Umsteigezwang.“ Diese Kritik bezieht sich auf die Bauarbeiten, die sich von März 2024 bis April 2025 hinzogen und für erhebliche Beeinträchtigungen sorgten.
Aus Fahrgastsicht wünschenswert wären:
- Eine Geschwindigkeitserhöhung auf 120 km/h auf der Strecke nach Stralsund
- Die Einrichtung zusätzlicher Zugbegegnungsstellen
- Eine Aufwertung des Reisekomforts in den Zügen
- Eine Direktverbindung zwischen Rostock und Neubrandenburg
Konkrete Planungen für Geschwindigkeitserhöhung
Die Deutsche Bahn arbeitet tatsächlich an einer Geschwindigkeitserhöhung. Ein Bahnsprecher bestätigt: „Wir arbeiten im Rahmen einer vom Land finanzierten Bahnplanungsgruppe an einer Planung zur Geschwindigkeitserhöhung auf 120 km/h zwischen Neustrelitz und Neubrandenburg bis Stralsund.“ Derzeit ist die Strecke laut Bundesverkehrswegeplan nur für 100 km/h ausgelegt.
Allerdings gibt es noch einige Unwägbarkeiten. Der Sprecher ergänzt: „Derzeit befinden wir uns in der Grundlagenermittlung. Termine zum Bau und zu einer Fertigstellung können derzeit nicht abgeschätzt werden, zumal eine Finanzierung ebenfalls aktuell nicht gesichert ist.“ Eine zusätzliche Zugbegegnungsstelle zwischen Neubrandenburg und Stralsund ist laut Bahn nicht geplant, da sie für den aktuellen und künftigen Zugbetrieb nicht notwendig sei.
Bahnhofsumbau und neue Züge ab 2029
Parallel zu den Streckenverbesserungen stehen auch am Neubrandenburger Bahnhof Veränderungen an. Die Stadt plant eine Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes, während die Bahn ein umfassendes Projekt für das Empfangsgebäude vorbereitet. Dieses beinhaltet:
- Umbau der Wärmeversorgungsanlage auf regenerative Energieträger
- Instandhaltung des Empfangsgebäudes
- Verbesserung der Barrierefreiheit
Zwischen 2029 und 2031 könnte dieses Projekt realisiert werden. Zur gleichen Zeit könnte auch der Reisekomfort in den Zügen verbessert werden. Jonas Bohl, Sprecher im MV-Wirtschaftsministerium, erklärt: „Der Verkehrsvertrag ‚Ost-West‘ zwischen dem Land und der Bahn läuft noch bis Dezember 2029.“ Aktuell werden Dieseltriebzüge des Herstellers Alstom eingesetzt, die sich in gutem Erhaltungszustand befinden.
Mit Ablauf des Verkehrsvertrages in 3,5 Jahren hätten die Fahrzeuge „erst etwa die Hälfte der technischen Lebensdauer erreicht“, so Bohl. Welche Fahrzeuge nach Dezember 2029 zum Einsatz kommen, ist noch offen, aber eine Veränderung der Bestuhlung könnte Bestandteil des nächsten Verkehrsvertrags sein.
Direktverbindung Rostock-Neubrandenburg in Planung
Besonders konkret werden die Pläne bei der möglichen Direktverbindung zwischen Rostock und Neubrandenburg. Jonas Bohl vom Wirtschaftsministerium bestätigt: „Im Rahmen der Mobilitätsoffensive des Landes ist es vorgesehen, umsteigefreie Verbindungen zwischen Neubrandenburg und Rostock einzurichten.“
Allerdings müssen dafür noch infrastrukturelle Voraussetzungen geschaffen werden. Derzeit sind die Strecken im Umfeld des Knotens Güstrow sowie zwischen Neubrandenburg und Güstrow nur eingleisig ausgebaut. Das Ministerium prüft aktuell, ob umsteigefreie Verbindungen auch ohne Infrastrukturausbau zwischen Lalendorf und Neubrandenburg möglich wären.
Parallel dazu werden bereits Planungen für den potenziellen und langfristig zu realisierenden Infrastrukturausbau der Achse Güstrow (Lalendorf) – Neubrandenburg vorbereitet. Diese Maßnahmen sollen die Grundlage für eine zuverlässige und schnelle Direktverbindung zwischen den beiden wichtigen Städten Mecklenburg-Vorpommerns schaffen.



