Demmin: Eine Hansestadt fernab der Küste mit reichem Erbe
Im Norden Mecklenburg-Vorpommerns, umgeben von fünf Landschafts- und Naturschutzgebieten, liegt die Hansestadt Demmin mit ihren rund 10.000 Einwohnern. Die Stadt befindet sich am Zusammenfluss der Flüsse Peene, Trebel und Tollense und verfügt über eine historisch gut schiffbare Verbindung zur Ostsee. Diese geografische Besonderheit erklärt, wie Demmin trotz seiner Binnenlage von 1283 bis 1615 Mitglied der Hanse werden konnte. Seit 1994 trägt die Stadt offiziell den Zusatznamen „Hansestadt“ und ist seit 1992 Mitglied im „Hansebund der Neuzeit“.
Die bewegte Geschichte einer Stadt
Demmin hat im Zweiten Weltkrieg ungewöhnlich viele Menschen verloren. Als die Rote Armee auf die Stadt vorrückte, kam es zu hunderten von Selbstmorden, ein Ereignis, das als „Demminer Tragödie“ in die Geschichte einging. Große Teile der Altstadt wurden durch Feuer zerstört und sind für immer verloren. Der Wiederaufbau nach dem Krieg prägte das Stadtbild mit vielen phantasielosen, viereckigen Gebäuden, die weite Teile dominieren.
Die St. Bartholomaei-Kirche: Ein architektonisches Juwel
Aus allen Himmelsrichtungen sichtbar ragt der 95,8 Meter hohe Turm der St. Bartholomaei-Kirche empor und gehört zu den Wahrzeichen der Stadt. Diese dreischiffige gotische Backsteinhallenkirche zählt zu den großen Stadtkirchen in Vorpommern. Ihr Name geht auf Jesu Jünger Bartholomaeus zurück, der von einwandernden Siedlern als Schutzpatron ihrer Zünfte verehrt wurde.
Die Kirche wurde bereits 1260 erstmals erwähnt und im Laufe der Geschichte mehrfach zerstört und wieder aufgebaut. Besonders starke Beschädigungen erlitt sie im Dreißigjährigen Krieg und beim großen Stadtbrand von 1676 während der Belagerung Demmins im brandenburgisch-schwedischen Krieg. Die Wiederherstellung zog sich von 1684 bis 1734 hin.
Das beeindruckendste Ergebnis einer umfassenden Renovierung von 1856 bis 1867 nach Plänen von Friedrich August Stüler und Bartholomäus Weber ist der hochaufragende, vollständig aus Ziegelsteinen gemauerte Turm. Mit einer Höhe von 92,5 Metern plus einem 3,30 Meter hohen Kreuz bietet er mit seinen hohen Durchbrüchen ein ungewöhnliches Bild in der norddeutschen Kunstlandschaft. Nach einer Notreparatur 1937/38 wurde eine grundlegende Sanierung erst nach der Wende von 1989 möglich und 1994 abgeschlossen.
Sehenswert in der Kirche sind neben dem Turm die Altarfenster, die Figuren im Altarraum und das Altarbild. Die Buchholz-Grüneberg-Orgel verleiht dem Raum mit ihrem romantischen Klangcharakter eine besondere Atmosphäre.
Historische Speicher am Stadthafen
Am Demminer Stadthafen, der schon zu Hansezeiten ein wichtiger Wirtschaftsfaktor war, finden sich mehrere historische Speichergebäude. Der etwa 1815 erbaute Lübecker Speicher dient heute als Kulturzentrum, während der angrenzende Berliner Speicher aus dem Jahr 1900 stammt und auf eine Sanierung wartet. Der größte Speicher am Bollwerk wurde 1940 durch den Großkaufmann Otto Klänhammer errichtet und dient noch heute als Stahlbetonsilo für die Getreidelagerung. Gut 100 Meter stromabwärts befindet sich am Hanseufer ein weiterer Speicher aus dem Jahr 1925.
Das Hanseviertel: Ein lebendiges Mittelaltererlebnis
Auf der Fischerinsel lädt das Hanseviertel Besucher zu einer Zeitreise ins Mittelalter ein. Die Anlage ist einem mittelalterlichen Dorf der Hansezeit nachempfunden und zeigt, wie in vergangenen Zeiten Brot gebacken, Körbe geflochten oder Metalle geschmiedet wurden. Besucher können sich gelegentlich selbst beim Handwerken ausprobieren, während eine Ausstellung über die Stadt und die Geschichte der Hanse informiert.
Das Hanseviertel ist von Mai bis September täglich geöffnet und bietet mehrmals im Jahr mittelalterliche Veranstaltungen wie den Frühlings- und Adventsmarkt. Für Kinder steht ein Spielplatz zur Verfügung, auf dem sie sich austoben können.
Anreise und Informationen
Demmin ist bequem mit dem Regionalzug der Linie RE5 von Stralsund oder Berlin aus erreichbar. Autofahrer nutzen die Autobahn A20 und verlassen sie ab Jarmen. In der Stadt kreuzen sich die Bundesstraßen 110 und 194. Weitere Informationen bietet die Stadtinformation Hansestadt Demmin am Hanseufer 1.



