Massive Eisbildung legt Häfen in Mecklenburg-Vorpommern lahm
Der Winter hält Mecklenburg-Vorpommern weiterhin fest im Griff. Trotz angekündigten Tauwetters behindert dichtes Eis auf der Ostsee den Schiffsverkehr erheblich, insbesondere im Nordosten des Bundeslandes. Die Situation hat sich in den letzten Tagen dramatisch zugespitzt.
Häfen komplett von der Außenwelt abgeschnitten
Aufgrund der anhaltenden Kälte und der extremen Eisbildung sind mehrere wichtige Häfen im Greifswalder Bodden derzeit nicht erreichbar. Betroffen sind die Häfen Stralsund, Ladebow, Vierow, Lubmin und Wolgast. Die Eisbarrieren in den Landtieffahrwassern und der Fahrrinne bei Palmer Ort haben mittlerweile eine solche Mächtigkeit erreicht, dass selbst spezielle Einsatzfahrzeuge der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung an ihre Leistungsgrenzen stoßen.
Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ostsee bestätigt, dass selbst Schiffe mit speziellen Eisklassen, die normalerweise für bis zu 80 Zentimeter dickes Eis ausgelegt sind, derzeit keine gefahrlose Passage durch diese Barrieren möglich ist. Die Eislage in der südwestlichen Ostsee stellt die Behörden vor Herausforderungen, wie sie seit dem Rekordwinter 2011/2012 nicht mehr aufgetreten sind.
Eisbrecher kämpfen gegen die Naturgewalten
Der Eisdienst des WSA Ostsee arbeitet auf Grundlage gesetzlicher Vorgaben und einer kontinuierlichen Lagebeobachtung. Der aktuelle Schwerpunkt liegt auf dem Hafen Mukran auf Rügen mit seinem wichtigen LNG-Terminal. Im Fahrwasser zum Hafen wird das Eis aufgebrochen und Schiffe werden begleitet, um geplante Ein- und Ausgänge zu ermöglichen.
Das als Eisbrecher eingesetzte Mehrzweckschiff „Mellum“ sowie der vom Bund gecharterte Notfallschlepper „VB Bremen Fighter“ haben bereits die Abfahrt des LNG-Tankers „Minerva Amorgos“ und des Schleppverbandes des Terminalbetreibers Deutsche Regas begleitet. Der nächste LNG-Tanker, die „Marvel Phoenix“, wird voraussichtlich am Sonntag im Seegebiet eintreffen. Das Einlaufen in den Hafen ist derzeit ebenfalls für Sonntag geplant, allerdings unter Vorbehalt der weiteren Eis- und Wetterentwicklung.
Besonders betroffene Regionen und feststeckende Schiffe
Besonders stark von der Eisbildung betroffen sind laut Angaben der Behörden:
- Die Wismarer Bucht
- Das Salzhaff
- Die Boddengewässer bei Darß und Zingst
- Die Gewässer rund um Rügen
- Der gesamte Greifswalder Bodden
In diesen Gebieten werden Eisstärken zwischen 15 und 50 Zentimetern gemessen. In den Häfen Lubmin und Vierow stecken nach aktuellen Informationen des NDR derzeit vier voll beladene Schiffe fest. Durch das dicke Eis können Schiffe die Häfen weder ansteuern noch verlassen.
Katrin Graese, stellvertretende Leiterin des WSA Ostsee, erklärt: „Unsere Einsätze erfolgen nach klaren gesetzlichen und operativen Kriterien. Wo ein übergeordnetes öffentliches Interesse besteht und ein sicherer sowie wirksamer Eisaufbruch möglich ist, werden wir tätig.“ In besonders stark vereisten Bereichen – insbesondere im südlichen Greifswalder Bodden – ist ein erfolgreicher Eisaufbruch derzeit jedoch nicht überall möglich.
Koordinierte Maßnahmen und Ausblick
Das WSA Ostsee betont, dass man sowohl die Schiffe, die derzeit im Greifswalder Bodden zum Auslaufen bereitstehen, als auch jene, die auf das Einlaufen in die blockierten Häfen angewiesen sind, im Blick habe. Diese Schiffe werden eng mit den zuständigen Schiffsagenturen koordiniert, um Konvoifahrten sicher und effizient zu ermöglichen.
Während die Häfen Rostock und Wismar weiterhin erreichbar bleiben, zeigt die aktuelle Situation, wie anfällig die Schifffahrt in der Region für extreme Wetterbedingungen ist. Die Behörden beobachten die Entwicklung kontinuierlich und stehen in Bereitschaft, sobald sich die Bedingungen verbessern.



