Polarlichter über Norddeutschland: Erhöhte Chancen im März - aber Wetter spielt nicht mit
Viele Norddeutsche erinnern sich noch an die spektakulären Polarlichter im Januar, die selbst in städtischen Gebieten sichtbar waren. Nach einer erneuten Phase erhöhter Sonnenaktivität stellt sich nun die Frage: Wird es in den kommenden Nächten erneut zu diesem faszinierenden Himmelsspektakel kommen?
Leicht erhöhte Chancen durch Sonnenaktivität
„Die Chancen auf eine Polarlicht-Sichtung sind zurzeit leicht erhöht, aber weder hoch noch sehr hoch“, erklärt Björn Voss, Direktor des Hamburger Planetariums. Die bunten Himmelslichter entstehen, wenn Massenauswürfe der Sonne – riesige Wolken aus geladenen Teilchen – auf das Magnetfeld der Erde treffen. Diese Bedingungen waren in den vergangenen Stunden wieder gegeben.
Allerdings kam die erwartete erste Schockfront bereits am frühen Morgen an, als es in Deutschland bereits hell war. Zudem war die Reaktion des Erdmagnetfelds zu gering, um bei Dunkelheit sichtbare Polarlichter zu erzeugen. „Fazit ist, dass die Chance heute Abend gering, aber vorhanden ist“, so Voss weiter.
Wetterbedingungen erschweren die Sicht
Die Wettervorhersage für Norddeutschland ist für Polarlicht-Beobachter nicht ideal. Ein Meteorologe des Deutschen Wetterdienstes (DWD) berichtet: „Prinzipiell ist es so, dass die besten Chancen auf geringe Bewölkung im westlichen Schleswig-Holstein und im mittleren Niedersachsen bestehen.“
Von der Ostsee her und teilweise an der Nordseeküste breitet sich ein Nebelfeld aus, das sich über Norddeutschland ausdehnt. Zu Beginn der Nacht besteht zwar noch eine gute Wahrscheinlichkeit auf einen fast unbedeckten Himmel, doch im Laufe der Nacht wird es fast überall nebelig-trüb. Der Blick in einen weitgehend wolkenfreien Nachthimmel sei dann am ehesten im westlichen Südniedersachsen möglich.
Frühlingsmonate bieten theoretisch bessere Bedingungen
Generell sind die Chancen, Polarlichter zu sehen, im März und April theoretisch leicht erhöht. Statistisch gesehen ist die Wahrscheinlichkeit auf eine Sichtung aktuell bis zu 50 Prozent größer als im Sommer oder Winter. „Das bedeutet aber nicht, dass wir mit einer ‚Flut‘ an Polarlichtern rechnen können“, betont Planetariumsdirektor Voss. „Die Chance, dass es irgendwann im März zu der kosmischen Himmelserscheinung kommt, ist nur leicht höher als zum Beispiel im Juni.“
Die Ursache dafür liegt in der Stellung der Erde zur Sonne – beziehungsweise in der Ausrichtung des Magnetfelds der Erde zur Sonne. Im März und September ist diese Konstellation für Polarlichter besonders günstig.
Vorhersagen bleiben schwierig
„Grundsätzlich befinden wir uns in einer aktiven Phase der Sonne, denn sie hat gerade in ihrem elfjährigen Zyklus das solare Maximum durchlaufen“, erklärt Voss. Das bedeutet, dass es auf der Sonne noch immer gewaltige Ausbrüche gibt, die vor allem an den Polen der Erde zu hübschen Farbspielen am Himmel führen. Bei besonders starken Eruptionen können sich diese auch in unseren Breitengraden zeigen.
„Leider lassen sich die Polarlichter nur mit wenig Vorlauf vorhersagen“, gibt der Experte zu bedenken. Es gibt verschiedene Apps, die Hinweise schicken, wenn die Chance auf Polarlichter höher ist, doch eine verlässliche Vorhersage bleibt schwierig.
Praktische Tipps für Polarlicht-Jäger
Für alle, die dennoch versuchen möchten, Polarlichter zu fotografieren oder zu beobachten, hat Voss einen wichtigen Rat: „Fotos zu machen lohnt sich, aber man sollte nicht ständig auf den Handybildschirm starren. Denn dann sieht man mit eigenen Augen gar nichts, sondern ist vom Display geblendet.“
Selbst einfache Handybilder zeigen die Polarlichter oft deutlicher, als man sie mit dem bloßen Auge erkennen kann. Wer auf die Suche geht, sollte immer in Richtung Norden blicken – dort sind die Polarlichter am ehesten zu sehen.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Chancen auf Polarlichter in Norddeutschland sind im März zwar leicht erhöht, doch die aktuellen Wetterbedingungen mit aufziehendem Nebel und Bewölkung erschweren die Sicht erheblich. Polarlicht-Enthusiasten sollten Geduld mitbringen und gegebenenfalls auf Fotografie setzen, um das Himmelsspektakel besser einfangen zu können.



