Der Ostseeküstenradweg ist mehr als 600 Kilometer lang und führt durch Mecklenburg-Vorpommern. Eine besonders empfehlenswerte Tagesetappe verbindet Rerik mit Warnemünde. Die Strecke bietet eine Mischung aus Natur, Geschichte und Ostseeflair.
Start in Rerik: Salzhaff und Bernstein
Das Ostseebad Rerik ist ein Paradies für Naturliebhaber. Im Norden locken eine wildromantische Steilküste und ein feiner Naturstrand. Hier lohnt es sich, nach Bernstein, dem sogenannten Gold des Meeres, zu suchen. Im Süden liegt das Salzhaff, ein fast abgetrennter Teil der Mecklenburger Bucht, der durch die Halbinseln Wustrow und Boiensdorfer Werder entstanden ist. Das Salzhaff ist ideal für Segel- und Surfeinsteiger. Die Küste wird oft überflutet, was zu einzigartigen Salzwiesen führt. Hier wachsen Strandflieder, Strandbeifuß, Salzbinsen und seltene Pflanzen wie Löffelkraut und Erdbeerklee. Die Salzwiesen sind zudem wichtige Brut- und Rastplätze für Vögel wie Seeschwalben, Rotschenkel und Kiebitze. Ein Fernglas sollte daher nicht fehlen.
Leuchtturm Buk: Höchstgelegener Turm Deutschlands
Von Rerik führt die Route nordwärts über Mechelsdorf nach Bastorf. Auf dem höchsten Punkt der Tour thront der Leuchtturm Buk, das Wahrzeichen der Gemeinde. Mit 20,8 Metern Höhe ist er eher klein, aber topografisch der höchstgelegene Leuchtturm Deutschlands. Sein Leuchtfeuer ragt 95 Meter über den Meeresspiegel. Errichtet wurde er 1878, um die Sandbank Hannibal vor der Wismarer Bucht zu markieren. Ursprünglich mit Petroleum betrieben, erhielt er 1912 als einer der ersten Leuchttürme an der Ostsee elektrisches Licht. Seit 1981 ist er automatisiert. Besucher können den Turm täglich von 11 bis 15 Uhr gegen eine geringe Gebühr besichtigen. In Bastorf lohnt ein Abstecher zum Gutshof mit Restaurant, Café und Hofladen, der regionale Bio-Produkte und Sanddorn-Spezialitäten anbietet.
Kühlungsborn und der Grenzturm
Weiter geht es nach Kühlungsborn, dem größten Seebad Mecklenburgs. Ein Spaziergang entlang der vier Kilometer langen Uferpromenade zeigt die typische Bäderarchitektur. Radfahren ist hier nicht erlaubt, daher nutzt man einen Parallelweg. Auf dieser Strecke liegt der Ostsee-Grenzturm von Kühlungsborn, ein Zeugnis der DDR-Geschichte. Zwischen 1961 und 1990 war hier eine Kompanie der Grenzbrigade Küste stationiert, die Fluchtversuche verhindern sollte. Der Turm von 1972 ist einer von nur zwei erhaltenen Wachtürmen. Von seiner 15 Meter hohen Kanzel aus konnten die Soldaten das Meer bis zu zwölf Seemeilen überwachen. Heute ist der Turm begehbar und zeigt eine Ausstellung über Fluchtversuche, wie die von Peter Döbler, der 1969 schwimmend Fehmarn erreichte.
Gespensterwald und Steilküste Nienhagen
Die Route führt weiter nach Heiligendamm, Börgerende und Nienhagen. Vor Nienhagen liegt der Gespensterwald, dessen Buchen durch extreme Bedingungen wie Sonneneinstrahlung, schlechte Böden und starken Wind bizarr geformt sind. Die Bäume wirken gespenstisch und sind oft nicht so alt wie andere Buchenwälder in Mecklenburg-Vorpommern. Östlich von Nienhagen gibt es einen Aussichtspunkt mit Treppe zum Strand. Vorsicht ist geboten: Nach Regen, Frost oder Sturm kann es zu Abbrüchen und Rutschungen kommen. Warnschilder sollten unbedingt beachtet werden.
Ziel Warnemünde: Teepott und Leuchtturm
Die Tour endet in Warnemünde am bekannten Teepott neben dem Leuchtturm. Zahlreiche Restaurants und Cafés laden zum Verweilen ein und bieten einen entspannten Abschluss der Radtour. Die Strecke von Rerik nach Warnemünde ist ein unvergessliches Erlebnis für alle, die Natur, Geschichte und Ostseeluft genießen möchten.



