Neue Luftrettung für Westmecklenburg: Landeplatz in Pampow nimmt konkrete Formen an
Ein dumpfes Dröhnen in der Ferne, dann senkt sich der Rettungshubschrauber auf eine freie Fläche – Sekunden, die über Leben und Tod entscheiden können. Noch ist dieses Bild in Pampow Zukunftsmusik, doch nach Ostern rollen die Bagger: Der Startschuss für die neue Rettung aus der Luft ist gefallen.
Baubeginn nach Ostern: Abrissarbeiten starten unmittelbar
Vertreter des Landkreises, Kreistagsmitglieder und Pampows Bürgermeister Frank Gombert haben sich vor Ort einen aktuellen Überblick zum künftigen Standort in der Bahnhofsstraße verschafft. „Mit der Fertigstellung des Landeplatzes rechnen wir etwa im dritten Quartal 2026“, erklärt Vize-Landrat Lukas Völsch. Zwar werde dann noch nicht alles komplett fertig sein und der Hangar gebaut, aber der Betrieb könnte mit einer Übergangslösung starten.
Erste große Schritte werden in den kommenden Wochen sichtbar: Die Abrissarbeiten beginnen direkt nach Ostern. Ein Großteil der alten VEB-Minol-Baracken und Hallen wird dann verschwinden. „Das ist kein selbstverständliches Verfahren, dass ein Landkreis so weit in die Planung und Umsetzung involviert ist, doch wir wollten eine zeitnahe Lösung schaffen“, betont Völsch die aktive Rolle des Landkreises.
Lücke in der Luftrettung wird geschlossen
Der Standort Pampow ist Teil eines größeren Plans: Mit dem Rettungshubschrauber „Christoph 68“ soll eine bislang bestehende Lücke in der Luftrettung Westmecklenburgs geschlossen werden. Der Landkreis hatte sich über Jahre hinweg für einen zusätzlichen Standort eingesetzt. Landrat Stefan Sternberg (SPD) hatte mehrfach betont, wie wichtig ihm die Verbesserung der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum sei und dass jede Minute im Notfall zähle.
Künftig soll der Hubschrauber im 24-Stunden-Betrieb unterwegs sein und den bodengebundenen Rettungsdienst unterstützen. Mit einem Einsatzradius von rund 70 Kilometern reicht das Gebiet von der Elbregion um Dömitz bis zur Insel Poel sowie von Schleswig-Holstein bis zur A19. Mehr als 475.000 Menschen leben in diesem Bereich, der damit deutlich schneller aus der Luft erreicht werden kann. Pro Jahr rechnen die Verantwortlichen mit etwa 800 bis 1000 Einsätzen, hinzu kommen mögliche Intensivtransporte.
Breite politische Unterstützung und medizinischer Gewinn
Dass das Projekt politisch breit getragen wird, zeigt sich deutlich. „Es war gut, dass wir uns beim Antrag 2022 einig waren und das Projekt nun in die Umsetzung geht. Das ist ein wichtiges Zeichen, auch für die Bevölkerung“, sagt Dr. Margret Seemann, Fraktionsvorsitzende der ZLP im Kreistag. Sie verweist zudem auf die günstige Lage, nicht zuletzt wegen der Nähe zur A24.
Auch aus medizinischer Sicht wird der Standort als großer Gewinn bewertet. Alexander M. Gross, Geschäftsführer der Lup-Kliniken gGmbH, erklärt: „Das ist nicht nur gut für uns, dass Patienten schneller medizinisch versorgt werden können, sondern vor allem auch für die ganze Region ein enormer Fortschritt.“ Für die Lup-Kliniken bedeutet dies, dass weiteres Personal eingestellt werden muss, da sie die Notfallärzte für den Hubschrauber stellen.
Bedenken der Bevölkerung und notwendige Abstimmungen
Ganz ohne Diskussionen kommt das Vorhaben allerdings nicht aus. Bürgermeister Frank Gombert spricht offen über Sorgen aus der Bevölkerung. „Wir sind noch in Absprachen, dass der Anflug auf den Landeplatz später so erfolgt, dass es möglichst wenig Lärm für die Einwohner in der Nähe gibt“, erklärt er. CDU-Fraktionsvorsitzender Christian Geier ordnet die Bedenken ein: „So ein Rettungshubschrauber fliegt nur, wenn es wirklich nötig ist, und dann geht es darum, Menschenleben zu retten. Das müssen wir uns auch immer wieder bewusst machen.“
Aktuell laufen die Ausschreibungen für das Vorhaben. Die Betreibung wird ein Luftfahrtrettungsunternehmen im Auftrag des Landes übernehmen, während das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport die erforderliche Konzession ausschreibt. Parallel arbeitet man an den Zufahrten: „Es gibt hier unterschiedliche Eigentümer der angrenzenden Flächen und bislang nur eine Zufahrt zum Grundstück. Das muss natürlich geändert werden und am Ende auch optimal an die anderen Verkehrswege angepasst sein“, so Bürgermeister Gombert.
Was auf den ersten Blick unscheinbar wirkt, entwickelt sich somit zu einem der wichtigsten Punkte der Notfallversorgung in Westmecklenburg – ein Projekt, das Leben retten wird.



