Teterow erinnert mit Informationstafel an geschichtsträchtiges Kurhaus
In der Bergringstadt Teterow wird jetzt ein bedeutendes Kapitel der lokalen Geschichte wieder lebendig. Eine neu aufgestellte Informationstafel erinnert an das einst prächtige Kurhaus in den Heidbergen, das vor über einem Jahrhundert den ganzen Stolz der Stadt darstellte. Das historische Gebäude befand sich auf einer Fläche unweit der heutigen Gaststätte „Uns Hüsung“ und bot Besuchern einen herrlichen Ausblick auf Teterow und die malerische Landschaft der Mecklenburgischen Schweiz.
Einweihung im Jahr 1895 und bewegte Geschichte
Eingeweiht wurde die Erholungsstätte im Jahr 1895 unter der Bezeichnung „Kur- und Logierhaus“. Das imposante Gebäude umfasste neben Gästezimmern und Wirtschaftslokalitäten auch einen großen Veranstaltungssaal sowie eine separate Wohnung für den Pächter. Im Jahr 1908 warb der damalige Pächter Albert Seemann mit dem markanten Slogan: „Der schönste Ausblick auf Teterow und die Mecklenburgische Schweiz“. Diese Werbeaussage unterstrich die besondere Lage des Kurhauses, das sich zu einem beliebten Anlaufpunkt für Erholungssuchende entwickelte.
Die 50-jährige Geschichte des Hauses war jedoch nicht nur von glorreichen Zeiten geprägt. In beiden Weltkriegen diente das Gebäude als Lazarett zur Versorgung von Verwundeten, was traurige Kapitel in der Historie darstellt. Ein besonders einschneidendes Ereignis ereignete sich kurz nach der Besetzung Teterows durch die Rote Armee am Ende des Zweiten Weltkrieges: Anfang Mai 1945 brannte das Kurhaus bis auf die Grundmauern nieder. Ursache und Brandstifter wurden nie ermittelt, sodass dieses Feuer bis heute Rätsel aufgibt.
Initiative zur Erinnerung und zweite Informationstafel
Die Anregung zur Aufstellung der Informationstafel kam von Stadtvertreter Wolfgang Blanck von der Wählergruppe „Die Teterower“. Die Tafel zeigt nicht nur ein altes Foto des Bauwerks, sondern bietet auch zahlreiche historische Informationen zur Bedeutung des Kurhauses. Mittlerweile wird die Fläche, auf der einst das prächtige Gebäude stand, als Parkplatz für den nahegelegenen Walderlebnispfad genutzt.
Ebenfalls auf Initiative von Wolfgang Blanck wurde in den Heidbergen eine zweite Informationstafel aufgestellt. Diese befindet sich direkt am Walderlebnispfad an einer Stelle, die sich „Schafswäsche“ nennt. Auch dieser Ort ist geschichtsträchtig für Teterow, denn hier weideten vor vielen Jahrzehnten noch Schafe. Die Schafswäsche diente dazu, die Tiere eine Woche vor der Schur von Verunreinigungen zu säubern und die Wollqualität zu verbessern. Zusätzlich nutzten Hirten die Stelle als natürliche Tränke für ihre Tiere.
Die Aufstellung der Informationstafeln erfolgte vor dem Hintergrund aktueller tourismuspolitischer Diskussionen in der Region. In Stadt- und Gemeindevertretungen der Mecklenburgischen Schweiz wird derzeit darüber beraten, ob Besucher künftig mit einer Kurabgabe zur Kasse gebeten werden sollen. Ob vor 130 Jahren in Teterow schon einmal ein ähnlicher Obolus von Gästen abverlangt wurde, ist nicht überliefert, doch die Geschichte des Kurhauses zeigt, wie lange die Tradition des Kurbetriebs in der Region bereits verwurzelt ist.



