Teterow und Malchin: Zwei ungleiche Schwestern in der Mecklenburgischen Schweiz
Bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges im April 1945 glichen sich die nur 15 Kilometer voneinander entfernten Städte Teterow und Malchin in der malerischen Mecklenburgischen Schweiz wie zwei hübsche Schwestern. Beide waren gepflegte Landstädtchen mit Bahnanschluss und kleiner Industrie, die sich vor allem der Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse widmete. Doch das Kriegsende brachte ein dramatisch unterschiedliches Schicksal für die beiden Kommunen.
Die verheerende Zerstörung Malchins
Während Teterow weitgehend unzerstört blieb, traf Malchin am 30. April 1945 nach dem Einmarsch der Roten Armee eine katastrophale Feuersbrunst. Etwa drei Viertel der alten Häuser gingen in Flammen auf und hinterließen eine zerstörte Stadtlandschaft. Die Tragödie wurde noch durch menschliches Leid verstärkt: Zu Kriegsende nahmen sich in Teterow nach verschiedenen Berichten zwischen 300 und 600 Menschen das Leben, in Malchin waren es etwa 500 Personen.
Auch acht Jahre nach Kriegsende, im Jahr 1953, war die Zerstörung Malchins noch deutlich sichtbar. Die Stadt musste komplett neu aufgebaut werden – ein Prozess, der ihr Gesicht nachhaltig verändern sollte.
Unterschiedliche Entwicklung in der DDR-Zeit
Mit dem großen Brand war die Ähnlichkeit der beiden beinahe kreisrunden „Schwestern“ endgültig vorbei. Teterow blieb eine historische Stadt, wenn auch mit allen Problemen, die der Erhalt alter Häuser in der DDR-Mangelwirtschaft mit sich brachte. Die Stadt konnte ihr mittelalterliches Stadtbild weitgehend bewahren.
Malchin hingegen wurde modern wiederaufgebaut: Große Wohnblocks entstanden ohne Rücksicht auf die mittelalterliche Stadtstruktur. Diese Art des Wiederaufbaus war keine „Malchiner Spezialität“, sondern entsprach dem Zeitgeist der 1950er- bis 1970er-Jahre in Ost und West. Die bis heute das Stadtbild dominierenden Plattenbauten stehen im starken Kontrast zur 15 Kilometer entfernten „Schwester“ Teterow, die sich heute als architektonisches Kleinod präsentiert.
Malchins kulturelle Schätze trotz Zerstörung
Obwohl Malchin in den 1980er-Jahren mehr als 10.000 Einwohner zählte und heute nur noch etwa 6.800 Einwohner hat (Teterow: früher 11.700, heute 8.200), bietet die Stadt bedeutende kulturelle Sehenswürdigkeiten:
- Die mächtige St. Johanniskirche aus dem 15. Jahrhundert mit ihrer klanglich einzigartigen Frieseorgel
- Den um 1430 entstandenen Marienaltar und den 67 Meter hohen Kirchturm, der bestiegen werden kann
- Das eindrucksvolle Rathaus, das von 1925 bis 1927 nach einem Brand neu errichtet wurde
- Die Reste der Stadtmauer mit dem Steintor und dem Kalenschen Tor
- Den rund 35 Meter hohen Fangelturm aus dem 15. Jahrhundert
- Das Heimatmuseum in der Stadtmühle mit einer Dauerausstellung über den Ingenieur Siegfried Marcus
Teterows weltbekannte Besonderheiten
Teterow hat sich als wichtiges Ziel in der Urlaubsregion Mecklenburgische Schweiz etabliert. Besondere Attraktionen sind:
- Die Burgwallinsel und die Altstadt mit zahlreichen Baudenkmalen
- Die alljährlichen Motorradrennen auf dem Bergring – seit 2017 trägt Teterow offiziell den Titel Bergringstadt
- Der legendäre Hechtbrunnen auf dem Marktplatz, der an einen amüsanten Schildbürgerstreich erinnert
- Das 1910 im neobarocken Stil errichtete Rathaus, das unter Denkmalschutz steht
- Eine gusseiserne Reliefplatte auf dem Marktplatz, die den gefühlten Mittelpunkt Mecklenburg-Vorpommerns markiert
Der Bergring Teterow gilt als Europas schönste und größte Grasrennbahn für Motorradsport. Im Bergringmuseum, untergebracht im ehemaligen Mädchenschulhaus von 1885, erfahren Besucher interessante Informationen zur Eisenbahngeschichte der Region und zur Schulgeschichte der Stadt.
Museen und kulturelle Einrichtungen
Seit 1990 befindet sich im im 14. Jahrhundert erbauten Malchiner Tor das Stadtmuseum Teterow. Auf vier Etagen können sich Besucher über die Geschichte der Stadt informieren. Seit 1995 gehören zum Museum zusätzlich eine historische Schmiede und ein Backhaus im Ortsteil Teschow.
Beide Städte sind heute mit der Stadttore-Linie der Bahn zu erreichen. Mit dem Auto gelangt man am besten über die A 19, Abfahrt Güstrow, in die beiden Kleinstädte. Für weitere Informationen stehen die Stadtinformationen in Malchin (03994 6400) und Teterow (03996 172028) zur Verfügung.
Die unterschiedlichen Entwicklungswege von Teterow und Malchin zeigen, wie historische Ereignisse das Gesicht von Städten nachhaltig prägen können. Während Teterow sein historisches Erbe bewahren konnte, musste Malchin einen komplett neuen Weg finden – und hat dabei trotz aller Zerstörung bedeutende kulturelle Schätze erhalten.



