Winterwetter legt Baubranche lahm: Frost und Schnee stoppen Bauarbeiter in Mecklenburg-Vorpommern
Die Bauwirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern steht derzeit vor enormen Herausforderungen. Eisige Temperaturen und anhaltende Schneefälle haben zahlreiche Baustellen in der Region vollständig zum Erliegen gebracht. Während Bauarbeiter normalerweise auf das Wohlwollen des Wettergottes angewiesen sind, stellt der aktuelle Winter die Branche vor ungewöhnliche Probleme.
Ungewöhnlich lange Unterbrechungen am Bau
Bauunternehmer Markus Josl aus Spornitz erklärt im Gespräch mit unserer Redaktion, dass solche witterungsbedingten Unterbrechungen zwar eingeplant werden, die aktuellen Bedingungen jedoch außergewöhnlich lange anhalten. „Normalerweise rechnen wir mit Verzögerungen von maximal drei Wochen, aber sechs Wochen sind wirklich außergewöhnlich“, so Josl. Viele Baustellen stehen komplett still, da die Witterungsbedingungen weder Außen- noch Innenarbeiten zulassen.
Die Mitarbeiter befinden sich momentan in einer Art Warteposition. „Es ist schwierig, sie kurzfristig auf anderen Projekten einzusetzen, da die meisten Aufträge langfristig geplant und vergeben sind“, ergänzt der Unternehmer. Diese Situation führe dazu, dass der Betrieb im Moment kaum Fortschritte mache und viele Projekte deutlich hinter dem Zeitplan zurückliegen.
Bauverband bestätigt außergewöhnliche Situation
Vom zuständigen Bauverband in Schwerin wurde bestätigt, dass Winterunterbrechungen in der Branche zwar nicht ungewöhnlich sind, der aktuelle Winter jedoch deutlich härter ausfällt. In den vergangenen Jahren habe es meist nur kurze Unterbrechungen von wenigen Tagen bis höchstens ein bis zwei Wochen gegeben. Die derzeitige Situation stelle viele Unternehmen vor erhebliche finanzielle und organisatorische Probleme.
Die Wetterprognose verspricht zwar in den kommenden Tagen eine leichte Erwärmung, doch bereits zum Wochenende wird erneut Frost erwartet. „Wir hoffen, dass wir bald weitermachen können. Aber es hängt alles vom Wetter ab“, bilanziert Josl abschließend. Er rechnet noch bis Ende Februar mit Schwierigkeiten und betont, dass die Auswirkungen der Verzögerungen für die Branche nicht nur wirtschaftlich spürbar sind, sondern auch die Zeitpläne vieler Bauprojekte erheblich belasten.
Rechtliche Regelungen bei Witterungseinflüssen
Die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/B) regelt das Thema Witterung und Bauzeit in § 6 Abs. 2 Nr. 2. Danach gelten Wetterbedingungen, mit denen unter normalen Umständen zu rechnen ist, nicht als Behinderung. „Ein Bauunternehmer hat selbst bei schlechtem Wetter keinen automatischen Anspruch auf Bauzeitverlängerung. Er muss den Bau trotz Schnee und Eis fristgerecht fertigstellen“, erklärt Dr. iur. Jörn-Christoph Jansen, Geschäftsführer des Bauverbandes Mecklenburg-Vorpommern mit Sitz in Schwerin.
Allerdings sieht die VOB/B Ausnahmen bei höherer Gewalt oder unabwendbaren Umständen vor. Extrem schlechtes Wetter zählt dazu. Der Bundesgerichtshof hat dies bereits vor über 50 Jahren konkretisiert. In einem Urteil von 1973 wurde festgelegt, dass eine tägliche Niederschlagsmenge von 64 Millimetern pro Quadratmeter als besonderes Witterungsereignis gilt, wenn die durchschnittliche Menge pro Tag bei 40 bis 50 Millimetern liegt.
Auch lang anhaltende Kältewellen fallen unter diese Kategorie. In solchen Fällen verlängert sich die Bauzeit automatisch. Gleiches gilt, wenn frostbedingte Einschränkungen Arbeiten verhindern, die entscheidend für den Baufortschritt sind, etwa Betonarbeiten. Ob es den Unternehmen gelingen wird, die verlorene Zeit aufzuholen, bleibt angesichts der anhaltenden winterlichen Bedingungen fraglich.



