Goldhort von Gessel: 3.300 Jahre alter Schatz wird jetzt entschlüsselt
Der spektakuläre Goldhort von Gessel im Landkreis Diepholz steht im Mittelpunkt eines umfassenden Forschungsprojekts. Rund 15 Jahre nach seiner Entdeckung soll der etwa 3.300 Jahre alte Fund aus der Bronzezeit nun wissenschaftlich vollständig analysiert werden. Ein interdisziplinäres Team aus Archäologie und Naturwissenschaften nimmt den beeindruckenden Schatz mit Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) genau unter die Lupe.
Ein Jahrhundertfund der Bronzezeit
Der Goldschatz wurde bereits im Jahr 2011 bei archäologischen Ausgrabungen nahe Syke entdeckt und gilt als einer der bedeutendsten Funde seiner Art in Europa. Mit einem Gesamtgewicht von 1,7 Kilogramm und insgesamt 117 Einzelteilen – darunter zahlreiche charakteristische Spiralringe – zählt der Hort zu den größten bekannten Goldansammlungen der europäischen Bronzezeit. Die wertvollen Objekte waren damals in etwa 60 Zentimetern Tiefe dicht beieinander deponiert worden.
Forschungsfragen von Herstellung bis Herkunft
Die Wissenschaftler verfolgen mit dem auf drei Jahre angelegten Projekt mehrere zentrale Forschungsziele:
- Die genauen Herstellungstechniken der Goldobjekte sollen rekonstruiert werden
- Die ursprüngliche Funktion und Bedeutung der verschiedenen Goldteile wird untersucht
- Die geologische Herkunft des verwendeten Goldes soll bestimmt werden
- Das archäologische Umfeld der Fundstelle wird genauer erforscht
Wie der ehemalige Landesarchäologe Henning Haßmann erinnerte, hatte bereits kurz nach der Bergung ein Computertomograph die Vielzahl der im Fundblock enthaltenen Goldobjekte sichtbar gemacht. Die beteiligten Institutionen – das Niedersächsische Landesamt für Denkmalpflege, das Landesmuseum Hannover und die Universität zu Kiel – betonen, dass eine so wertvolle Niederlegung kaum ohne Bezug zu einer größeren Siedlung oder Gemeinschaft erfolgt sein kann.
Ausstellung für 2028 geplant
Die Forschungsergebnisse sollen auf einer wissenschaftlichen Tagung präsentiert werden. Für das Jahr 2028 ist zudem eine Sonderausstellung geplant, die die neuen Erkenntnisse über den Goldhort von Gessel und die Lebenswelt der Bronzezeit einer breiten Öffentlichkeit zugänglich machen wird. Bereits heute sind Teile des spektakulären Fundes im Landesmuseum Hannover und im Kreismuseum Syke zu besichtigen, wo sie einen faszinierenden Einblick in die bronzezeitliche Kultur bieten.
Dieses Forschungsprojekt verspricht nicht nur neue Erkenntnisse über den konkreten Goldfund, sondern auch wertvolle Informationen über Handwerkstechniken, Handelsbeziehungen und soziale Strukturen in der Bronzezeit Norddeutschlands. Die Untersuchung des Goldhorts von Gessel könnte somit unser Verständnis dieser frühen Epoche der Menschheitsgeschichte entscheidend erweitern.



