Patientenmörder Högel muss mindestens 28 Jahre hinter Gittern bleiben
Der verurteilte Serienmörder Niels Högel wird noch viele Jahre im Gefängnis verbringen müssen. Das Landgericht Oldenburg hat am vergangenen Dienstag entschieden, dass der ehemalige Pfleger mindestens 28 Jahre seiner lebenslangen Haftstrafe absitzen muss. Diese Entscheidung basiert auf der besonderen Schwere seiner Schuld, wie das Gericht in einer aktuellen Mitteilung bekannt gab.
Hintergrund der grausamen Taten
Niels Högel sitzt bereits seit dem Jahr 2009 im Gefängnis. Im Jahr 2019 wurde er vom Landgericht Oldenburg wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Seine Verbrechen ereigneten sich in den Jahren 2000 bis 2005 in Kliniken in Oldenburg und Delmenhorst. Högel spritzte seinen Patienten verschiedene Medikamente, um sie anschließend zu reanimieren und sich als Retter darzustellen. Viele der Opfer überlebten diese grausamen Handlungen nicht.
Gerichtliche Begründung für die lange Mindesthaftzeit
Das Gericht lehnte den Antrag ab, Högels Strafe nach 15 Jahren zur Bewährung auszusetzen. Bei lebenslangen Freiheitsstrafen ist dies normalerweise nur möglich, wenn keine besondere Schwere der Schuld vorliegt. Högel hatte selbst beantragt, die Mindestzeit seiner Haft festzulegen. Die Staatsanwaltschaft forderte daraufhin 28 Jahre – eine Forderung, der das Gericht nun folgte.
In seiner Begründung verwies das Gericht neben den Taten selbst auch auf Högels Persönlichkeit und seine Entwicklung seit der Verurteilung. Besonders schwerwiegend wurden die hohe Anzahl der Morde sowie die heimtückische und niedrig motivierte Durchführung bewertet. Zudem berücksichtigte das Gericht, dass Högels Verbrechen das Vertrauen in medizinische Einrichtungen nachhaltig erschüttert haben.
Ungewisse Zukunft: Längere Haft möglich
Ob Högel tatsächlich nach 28 Jahren, also im Jahr 2037, freikommt, steht noch nicht fest. Eine noch längere Haftunterbringung bleibt möglich. Vor einer möglichen Entlassung muss ein psychiatrisches Gutachten klären, ob der Verurteilte weiterhin eine Gefahr für die Gesellschaft darstellt. Gegen die aktuelle Entscheidung kann Beschwerde beim Oberlandesgericht Celle eingelegt werden.
Niels Högel verbüßt seine Strafe bereits seit mehr als 16 Jahren. Mindestens ein weiteres Dutzend Jahre wird er nun noch in Haft bleiben müssen – möglicherweise sogar deutlich länger. Dieser Fall bleibt damit einer der schwersten Justizfälle in der Geschichte Niedersachsens.



