Niedersachsens Häfen verzeichnen starkes Wachstum trotz Rückschlägen bei Autos und Rohöl
Niedersachsens Häfen: Wachstum trotz Rückschlägen

Niedersachsens Häfen verzeichnen kräftiges Wachstum mit gemischter Bilanz

Der Umschlag in den niedersächsischen Seehäfen hat im vergangenen Jahr ein deutliches Plus verzeichnet. Insgesamt wurden knapp 60,5 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen, was einem Wachstum von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. „Das ist ein großer Erfolg für unsere Hafenwirtschaft“, betonte Wirtschaftsminister Grant Hendrik Tonne von der SPD bei der Vorstellung der Jahresbilanz durch das landeseigene Hafenunternehmen Niedersachsen Ports in Oldenburg.

Rekord am JadeWeserPort und Wachstum bei Stückgütern

Besonders hervorzuheben ist die Entwicklung am JadeWeserPort in Wilhelmshaven. Nach eher durchwachsenen Jahren wurde hier 2025 erstmals die Marke von einer Million umgeschlagenen Standardcontainern (TEU) überschritten. Der Containerumschlag stieg um beeindruckende 74 Prozent auf 1,47 Millionen TEU. „Eine klare Aufwärtsfahrt an Deutschlands einzigem Container-Tiefwasserhafen ist ein wirklich gutes Signal in diesen unsicheren Zeiten“, erklärte Minister Tonne.

Als wesentlicher Grund für dieses Wachstum wird der Zusammenschluss der Reedereien Maersk und Hapag-Lloyd in ihrer „Gemini Cooperation“ genannt, bei der der JadeWeserPort als einer der Hauptumschlagsplätze fungiert. Allerdings ist der Hafen trotz dieser positiven Entwicklung weiterhin nicht voll ausgelastet.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Neben Wilhelmshaven konnten auch alle anderen niedersächsischen Seehäfen zulegen, insbesondere die Standorte Cuxhaven, Nordenham und Stade. „Wir haben überall im letzten Jahr Wachstum beobachten können“, sagte Inke Onnen-Lübben, Geschäftsführerin der landeseigenen Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen.

Ein besonders dynamischer Bereich war der Umschlag von Stückgütern wie Eisen, Stahl, Holz und Logistikkomponenten für die Energiewende. Hier verzeichneten die niedersächsischen Häfen 2025 ein Plus von 41 Prozent auf 20 Millionen Tonnen.

Rückschläge bei Fahrzeugen und Rohöl

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung mussten die Häfen auch einige Rückschläge hinnehmen. Der Umschlag von Fahrzeugen ging 2025 leicht zurück, wobei der größte Automobilhafen in Emden ein Minus von fünf Prozent verzeichnete. „Da sehen wir ganz klar Auswirkungen der aktuellen Zollpolitik“, erläuterte Onnen-Lübben. In Emden werden vor allem Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns umgeschlagen.

Ebenfalls rückläufig war der Umschlag von Massengütern. Zwar wurden mehr Futtermittel und Baustoffe umgeschlagen, doch der Handel mit Rohöl ging zurück. „Das ist auch nichts Überraschendes“, kommentierte Onnen-Lübben diese Entwicklung. Der Verbrauch sinke, weil Motoren immer sparsamer werden, und der Konkurrenzdruck mit anderen Häfen wie Rotterdam sei enorm.

Herausforderungen und Investitionspläne

Die niedersächsischen Häfen stehen vor mehreren Herausforderungen. Die Zollpolitik der USA bereitet weiterhin Sorgen, hinzu kommen hohe Energie- und Transportkosten infolge der Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine. „Wir können in der derzeitigen Situation relativ schwer Prognosen treffen“, räumte Onnen-Lübben ein.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, plant Niedersachsen Ports umfangreiche Investitionen. In Emden entsteht ein neuer Liegeplatz für große Schiffe, in Cuxhaven wird die Infrastruktur für Offshore-Windenergie erweitert. Für die nächsten Jahre stehen dem Hafenbetreiber zusätzlich rund 375 Millionen Euro aus dem Landeshaushalt und aus dem Sondervermögen des Bundes zur Verfügung.

„Mit diesen Mitteln wollen wir die Hafeninfrastruktur modernisieren und unsere Häfen klimaneutral umbauen“, kündigte Holger Banik, Geschäftsführer von Niedersachsen Ports, an. Geplant sind insgesamt 21 Projekte, darunter:

  • Ein tidenunabhängiges Terminal in Wilhelmshaven
  • Eine neue Schwerlastbrücke in Cuxhaven
  • Die nördliche Erweiterung des Stader Hafens

Hoffnung auf Unterstützung aus Berlin

Um alle geplanten Projekte umsetzen zu können, hofft NPorts auf Unterstützung aus Berlin. „Dafür brauchen wir auch den Bund – wir sind systemrelevant für die deutsche Wirtschaft“, betonte Banik.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration

Auch Wirtschaftsminister Tonne sieht den Bund in der Pflicht. Notwendig seien verlässliche Rahmenbedingungen für die Energiewende, ein besserer Schutz der Hafeninfrastruktur sowie höhere Investitionen in Cybersicherheit und Hafenentwicklung. Der SPD-Politiker setzt dabei auf die Verhandlungen zwischen Bund, Hafenländern und maritimer Wirtschaft Ende April in Emden. „Die Nationale Maritime Konferenz muss dort konkrete Ergebnisse liefern, um unsere Häfen zukunftsfest zu machen“, forderte Tonne abschließend.