Dramatische Rettungsaktion in der Lübecker Bucht: Gestrandeter Buckelwal kämpft ums Überleben
Herzzerreißende Laute durchbrechen die Stille an der Ostseeküste. Ein junger Buckelwalbüll ist in der Lübecker Bucht vor dem Timmendorfer Strand auf einer Sandbank gestrandet und steckt im nur 1,40 Meter flachen Wasser fest. Das beeindruckende Meeressäugetier wirkt deutlich gestresst und zeigt starke Schwächeerscheinungen. Seit der Entdeckung der Notlage in der Nacht zu Montag kämpfen Experten und Helfer in einem Wettlauf gegen die Zeit um das Leben des Wals.
Komplizierte Rettungsbedingungen erschweren die Bergung
Die Fachleute des Instituts für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung (ITAW) haben den Wal inzwischen eingehend begutachtet, doch die Lage ist äußerst schwierig. „Die Sandbank befindet sich 30 bis 40 Meter vom Ufer entfernt, und dazwischen ist das Wasser zu tief, um hindurchlaufen zu können. Die Experten konnten nicht einfach zu Fuß zum Tier gelangen“, erklärt BILD-Reporter Henning Schaffner, der den Rettungseinsatz in Schleswig-Holstein vor Ort beobachtet.
Mit Schlauchbooten näherten sich Experten und Feuerwehrleute dem gestrandeten Wal. Sie versuchten zunächst, ihn von den Leinen zu befreien, die seinen Körper seit einem Unfall Anfang des Monats mit einem Fischernetz umschnüren. Zudem sollte der Wal in die richtige Richtung gedreht werden – mit der Schnauze zur offenen Bucht. Tatsächlich gelang diese Drehung zunächst, doch ein kräftiger Wellenschlag drückte das Tier erneut weiter auf die Sandbank zurück.
Erste Rettungsversuche zeigen begrenzten Erfolg
Seit 16 Uhr am Nachmittag wagen zahlreiche Fachleute am Strand von Timmendorf erste umfangreiche Rettungsversuche. „Der Wal hat im Kopfbereich und im Flügelbereich noch Bewegungsfreiheit. Er scheint aber mit Brust oder Bauch aufzuliegen“, erläutert ITAW-Expertin Stephanie Groß die prekäre Situation. Boote der Küstenwache fahren etwa 150 Meter vom Wal entfernt mit hoher Geschwindigkeit, um gezielt Wellen zu erzeugen. Die Hoffnung: Der Wal könnte sich durch diese Wellenbewegung freischwimmen – bislang jedoch ohne den gewünschten Erfolg.
Alternative Rettungsmethoden werden erwogen
Sollte der aktuelle Ansatz nicht zum Erfolg führen, diskutieren Meeresschützer und Einsatzkräfte verschiedene Alternativstrategien:
- Dutzende Personen könnten gleichzeitig ins Meer gehen und versuchen, den Wal mit vereinter Kraft ins tiefere Wasser zu schieben oder zu ziehen
- Eine Bergung mit einem speziellen Schiff könnte in Betracht gezogen werden, wobei jedoch die Gefahr besteht, dass der Wal aufgrund seines hohen Eigengewichts beim Ziehen schwer verletzt werden könnte
Jede Rettungsaktion birgt erhebliche Risiken – sowohl für die Helfer als auch für das bereits geschwächte Tier.
Besorgniserregender Gesundheitszustand des Wals
Selbst im Falle einer erfolgreichen Befreiung steht es schlecht um den stark geschwächten Wal. Das Tier hat offenbar zu wenig Nahrung aufgenommen, und sein Hautzustand ist alarmierend schlecht. Die Oberfläche zeigt deutliche Anzeichen von Parasiten- und Pilzbefall. Ein wesentlicher Grund dafür: Die Haut der Buckelwale ist nicht für die Ostsee optimiert. Der Salzgehalt des Ostseewassers ist für diese Meeressäuger deutlich zu niedrig, was zu gesundheitlichen Problemen führt.
Die Rettungsteams arbeiten unter Hochdruck, während der gestrandete Buckelwal weiterhin in der flachen Lübecker Bucht festsitzt. Jede Minute zählt in diesem dramatischen Rettungseinsatz, der die Grenzen der Möglichkeiten von Mensch und Technik auslotet.



