Großeinsatz in Dresden: Weltkriegsbombe erfolgreich entschärft
Im Herzen von Dresden ist am Mittwoch eine schwierige Entschärfungsoperation zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen. Eine 250 Kilogramm schwere britische Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg, die bei Bauarbeiten für den Neubau der Carolabrücke entdeckt worden war, wurde von Sprengmeistern unschädlich gemacht. Damit konnte der umfangreiche Sperrkreis aufgehoben werden, der große Teile des Stadtzentrums lahmgelegt hatte.
Defekter Zünder erfordert Spezialtechnik
Die Entschärfung gestaltete sich besonders anspruchsvoll, da der Zünder der Bombe beschädigt war. Sprengmeister Thomas Zuwalla setzte daher ein Wasserschneidgerät ein, mit dem der Zünder präzise herausgeschnitten und anschließend kontrolliert gesprengt wurde. „Der defekte Zünder machte den Experten besonders zu schaffen, aber das Spezialgerät erwies sich als entscheidend“, erklärte ein Polizeisprecher. Der gesamte Vorgang dauerte etwa zwei Stunden, bis um 15.10 Uhr endlich Entwarnung gegeben werden konnte.
Größte Evakuierung in der Stadtgeschichte
Rund 18.000 Menschen waren von der umfassenden Evakuierung betroffen – nach Angaben der Feuerwehr die bisher größte derartige Maßnahme in der sächsischen Landeshauptstadt. Der Sperrkreis mit einem Radius von 1.000 Metern umfasste zentrale Bereiche der Innenstadt:
- Das historische Residenzschloss
- Die weltberühmte Semperoper
- Die wiederaufgebaute Frauenkirche
- Mehrere Ministerien und den Sächsischen Landtag
- Die Polizeidirektion Dresden (die vorübergehend verlegt werden musste)
Neben Anwohnern waren auch Pendler, Touristen und zahlreiche Institutionen betroffen. Besonders herausfordernd gestaltete sich die Evakuierung von Pflegeheimen und Kindertagesstätten. „Das war ein ziemlicher Kraftakt die letzten drei Tage“, berichtete Pflegedienstmitarbeiterin Jeanette Scharfe, die etwa 200 Bewohner aus betreuten Wohnanlagen in Notunterkünfte begleitete.
Notunterkunft in der Messe und Verkehrschaos
Rund 300 Menschen fanden vorübergehend Zuflucht in der Notunterkunft in der Messe Dresden. Unter ihnen war die ehemalige Opernsängerin Hannerose Katterfeld-Siebenschuh, die gelassen auf die Situation reagierte: „Der Himmel hat mir schon ein langes Leben beschert. Ich nehm’s wie’s kommt“.
Die Marienbrücke entwickelte sich während der Evakuierung zum Nadelöhr, da sie als einzige verbliebene Elbquerung im Innenstadtbereich diente. Es kam zu erheblichen Staus im Autoverkehr, und sechs Straßenbahnlinien der Dresdner Verkehrsbetriebe mussten sich den begrenzten Raum teilen.
Hintergrund: Bombenfunde in Dresden
Dresden war am 13. Februar 1945 und in den folgenden Tagen bei Angriffen britischer und US-amerikanischer Bomber schwer zerstört worden. Bis heute werden bei Bauarbeiten regelmäßig Blindgänger gefunden. Allein bei den Abrissarbeiten der eingestürzten Carolabrücke gab es im vergangenen Jahr bereits vier Funde. Erst im August 2025 waren 17.000 Menschen für eine ähnliche Entschärfungsaktion evakuiert worden.
Weitere Untersuchungen geplant
Die nun entschärfte Bombe war bei einer Kampfmittelsondierung für den geplanten Neubau der Carolabrücke entdeckt worden. Seit Oktober hatten Experten 31 „Störstellen“ im Bereich des geplanten Brückenneubaus auf der Neustädter Elbseite überprüft. Die letzten beiden Verdachtsstellen waren am Dienstagnachmittag geöffnet worden, wobei die Bombe zum Vorschein kam.
Eine Sprecherin der Stadt Dresden teilte mit, dass die Kampfmittelsondierungen für den Brückenneubau noch nicht vollständig abgeschlossen seien. Für den Bereich des Flussbetts der Elbe stünden noch Untersuchungen an, für die spezielle Technik benötigt werde. Einen konkreten Termin für diese Arbeiten gebe es bisher nicht.
Polizeisprecher Marko Laske zeigte sich erleichtert über den reibungslosen Ablauf der Großoperation: „Wir bedanken uns bei allen Menschen, die das Verständnis aufgebracht haben und uns unterstützen“. Es habe keine nennenswerten Probleme bei der Evakuierung gegeben, und nun könnten die 18.000 Betroffenen endlich in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren.



