Dresden: Untersuchungen an Carolabrücke - Größte Evakuierung der Stadtgeschichte droht
In Dresden haben die Untersuchungen möglicher Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg an der ehemaligen Carolabrücke begonnen. Mit schwerem Gerät werden aktuell zwei Fundstellen am Neustädter Elbufer geöffnet, während der Kampfmittelräumdienst die Arbeiten fachkundig begleitet. Feuerwehrsprecher Michael Klahre bestätigte den Beginn der kritischen Operation.
Sperrkreis und Verkehrseinschränkungen eingerichtet
Für die Untersuchungen wurde ein Sicherheitsbereich mit einem Radius von 150 Metern eingerichtet. Während Anwohner zunächst nicht betroffen sind, kommt es zu erheblichen Verkehrseinschränkungen:
- Der beliebte Elberadweg ist vollständig gesperrt
- Die Schifffahrt auf der Elbe kann den Abschnitt nicht passieren
- Mehrere wichtige Regierungsgebäude liegen innerhalb der Sicherheitszone
„Wir versuchen, die Auswirkungen so minimal wie möglich zu halten“, betonte Feuerwehrsprecher Klahre. Die Dauer der Arbeiten lasse sich nicht genau vorhersagen, doch die Einsatzkräfte hoffen auf einen Abschluss bei Tageslicht.
Evakuierungsszenario mit 18.000 Betroffenen
Sollten sich die Funde als harmlos erweisen, kann auf eine Evakuierung verzichtet werden. Handelt es sich jedoch tatsächlich um Munition, entscheidet der Kampfmittelräumdienst über das weitere Vorgehen. In diesem Fall droht Dresden die bisher größte Evakuierung in der Stadtgeschichte:
- Rund 18.000 Anwohner wären direkt betroffen
- Zahlreiche Pendler und Touristen müssten das Gebiet verlassen
- Polizeidirektion, Landes- und Kommunalbehörden liegen in der Zone
- Alten- und Pflegeheime sowie Kindertagesstätten wären einzubeziehen
Je nach Gefahreneinschätzung könnte die Evakuierung bereits am Dienstagabend oder erst am Mittwochmorgen beginnen.
Hintergrund: Funde bei Brückenneubau-Vorbereitungen
Die potenziellen Blindgänger wurden bei vorbereitenden Arbeiten für den Neubau der eingestürzten Carolabrücke entdeckt. Seit Oktober läuft eine umfassende Kampfmittelsondierung im Bereich des Neustädter Elbufers. Auf der Altstädter Seite der Elbe waren entsprechende Untersuchungen bereits Ende des vergangenen Jahres ohne Bombenfunde abgeschlossen worden.
Bereits im vergangenen Jahr gab es bei Abrissarbeiten an der Carolabrücke vier Bombenfunde. Im August mussten damals 17.000 Menschen für eine Entschärfungsaktion evakuiert werden. Die aktuellen Funde erinnern einmal mehr an die andauernde Gefahr durch Weltkriegsblindgänger in deutschen Städten und die komplexen Herausforderungen bei Bauvorhaben in historisch belasteten Gebieten.



