Thüringer BSW-Fraktion: Neue Chefin Sigrid Hupach offen für Gespräche mit Höcke
BSW-Fraktionschefin Hupach offen für Höcke-Gespräche

Neue BSW-Fraktionschefin in Thüringen: Sigrid Hupach offen für Dialog mit Höcke

Die Thüringer BSW-Fraktion hat eine neue Vorsitzende: Sigrid Hupach wurde in einer knappen Stichwahl zur neuen Fraktionschefin gewählt. Die 57-Jährige signalisierte bereits in ihrer ersten Pressekonferenz Offenheit für Gespräche mit AfD-Landespartei- und Fraktionschef Björn Höcke, betonte jedoch, zunächst andere Fraktionsvorsitzende treffen zu wollen.

Knapper Wahlsieg in der Stichwahl

In einer internen Fraktionssitzung setzte sich Hupach mit sieben zu sechs Stimmen gegen ihren Mitbewerber Roberto Kobelt durch. Insgesamt hatten sich vier BSW-Abgeordnete um den Fraktionsvorsitz beworben, neben Hupach und Kobelt auch Matthias Herzog und Dirk Hoffmeister. Das knappe Ergebnis kommentierte Hupach mit dem möglichen Frust der zuvor ausgeschiedenen Bewerber und verteidigte zugleich ihre eigene Stimmabgabe für sich selbst als normalen Vorgang.

Höcke äußerte sich kritisch zu dem Wahlergebnis und erklärte, bei einem solchen knappen Ausgang würde er eine Wahl nicht annehmen. Er betonte, die BSW-Fraktion benötige eigentlich Zeit, um sich selbst zu finden.

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Politische Erfahrung und Wechsel von den Linken

Sigrid Hupach bringt langjährige politische Erfahrung mit: Die 57-Jährige war früher Bundestagsabgeordnete der Linken und wechselte nach der Gründung des BSW in Thüringen zur Wagenknecht-Partei. Sie war maßgeblich am Aufbau des Landesverbands beteiligt und zog bei der Landtagswahl 2024 über die Landesliste in den Thüringer Landtag ein. Aktuell ist sie Vorsitzende des Ausschusses für Inneres, Kommunales und Landesentwicklung sowie Sprecherin für Kommunales der BSW-Fraktion.

Als Fraktionsvorsitzende erhält Hupach nun das Doppelte der Grunddiät aller Abgeordneten, was monatlich fast 15.000 Euro entspricht, sowie Zugriff auf einen Dienstwagen mit Fahrer. Ihr Gegenkandidat Kobelt und der ebenfalls unterlegene Dirk Hoffmeister akzeptierten das demokratische Wahlergebnis.

Bekenntnis zur Regierungsbeteiligung und Umgang mit der AfD

Nach ihrer Wahl bekräftigte Hupach das Engagement des BSW in der Thüringer Landesregierung. „Wir wollen den Weg weitergehen in dieser Koalition“, erklärte sie. In Thüringen regiert eine sogenannte Brombeer-Koalition aus CDU, BSW und SPD.

Hupach folgt auf Frank Augsten, der vor einer Woche seinen Rücktritt bekanntgab. Der 67-Jährige hatte während seiner Amtszeit unter anderem mit einem Treffen mit Höcke für Aufsehen gesorgt. Höcke bezeichnete Augsten als Integrationsfigur beim BSW und hofft auf einen „normalen Umgang“ auch mit Hupach.

Innerhalb der BSW-Fraktion wird derzeit diskutiert, ob AfD-Anträge zumindest in Ausschüsse überwiesen werden sollten. Hupach zeigte sich auch hier offen: „Das kann aber noch kommen, das schließe ich auch nicht aus“, sagte sie, betonte jedoch, derzeit keinen entsprechenden Antrag zu sehen.

Zukünftige Gespräche und politische Ausrichtung

Hupach plant zunächst Gespräche mit ihren Amtskollegen von CDU, SPD und Linke. Ein Treffen mit Höcke schließt sie grundsätzlich nicht aus, hat aber aktuell kein konkretes Thema für ein solches Gespräch. Ihre Offenheit für Dialog mit allen Fraktionen unterstreicht ihren pragmatischen Ansatz in der Thüringer Landespolitik.

Die neue Fraktionschefin steht vor der Herausforderung, die interne Einheit der BSW-Fraktion zu stärken und gleichzeitig die Regierungsbeteiligung in der Brombeer-Koalition fortzuführen. Ihre politische Erfahrung und ihr Engagement beim Aufbau des Thüringer Landesverbands könnten dabei von Vorteil sein.

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