Iran-Konflikt beeinflusst Thüringer Kulturtage: Ausfälle und erhöhte Sicherheitslage
Iran-Konflikt: Thüringer Kulturtage mit Ausfällen und Sicherheitsbedenken

Iran-Konflikt führt zu Programmänderungen bei Thüringer Kulturtagen

Die Auswirkungen des anhaltenden Iran-Krieges sind nun auch in Thüringen spürbar. Die bevorstehenden Jüdisch-Israelischen Kulturtage müssen ihr ursprüngliches Programm anpassen, da mehrere Künstler aufgrund von Reisebeschränkungen nicht einreisen können. Festivalleiter Johannes Gräßer bestätigte, dass es zu Terminausfällen kommen wird, betonte jedoch gleichzeitig, dass das Festival in einer angepassten Form stattfinden soll.

Reisebeschränkungen beeinträchtigen Festivalplanung

Die Flugtickets für Künstlerinnen und Künstler, die aus Israel zur Teilnahme an dem am Donnerstag beginnenden Festival hätten einreisen sollen, wurden allesamt storniert. „Die Lage ist absolut dynamisch, der Luftraum ist weiträumig gesperrt und es ist unklar, wann die Sperrungen wieder aufgehoben werden“, erklärte Gräßer. Von insgesamt rund 80 geplanten Veranstaltungen sei bei 16 noch unklar, ob sie in der ursprünglichen Form oder überhaupt realisiert werden können.

Einige wenige israelische Künstler sind bereits in der vergangenen Woche in Thüringen eingetroffen. Dennoch sitzen aufgrund der Kriegsfolge auch Deutsche im Ausland fest, darunter vermutlich Menschen aus Thüringen.

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Politisches Signal trotz schwieriger Umstände

Reinhard Schramm, Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen, betonte, dass die Durchführung des Festivals trotz der widrigen Umstände nicht nur ein kulturelles, sondern auch ein politisches Signal darstelle. Es gehe gegen Gleichgültigkeit und für Verständigung. Auch Israels Botschafter Ron Prosor halte bislang an seiner Teilnahme bei der Eröffnungsveranstaltung fest, wobei auch hier mit einer gewissen Dynamik zu rechnen sei.

Erhöhte Sicherheitsvorkehrungen und abstrakte Gefahr

Thüringens Innenminister Georg Maier (SPD) unterstrich die Notwendigkeit, die Veranstaltungen angemessen zu schützen. „Wir haben auch den Kontakt aufgenommen zur jüdischen Landesgemeinde und das läuft sehr gut“, sagte Maier. Für die Eröffnung wurde bereits vor den jüngsten Angriffen ein besonderes Sicherheitskonzept erstellt, und bei den anderen Veranstaltungen wird die Polizei präsent sein.

Maier wies zudem auf eine generell erhöhte abstrakte Gefahr im Zuge des Iran-Krieges hin. „Man muss immer in Betracht ziehen, dass das angegriffene Land asymmetrisch reagiert“, erklärte der SPD-Politiker. Deutschland werde als Verbündeter Israels angesehen, weshalb mit asymmetrischen Gegenreaktionen gerechnet werden müsse, die nicht nur direkte Gegenschläge, sondern auch Angriffe auf verbündete Nationen umfassen könnten.

Verdeckte Operationen als Hauptbedrohung

Thüringens Verfassungsschutzchef Stephan Kramer sieht dabei weniger eine Gefahr von Terroranschlägen als von verdeckten iranischen Aktionen. „Die Gefahr, dass der Iran verdeckte Operationen in westlichen Staaten wie Deutschland durchführt, ist absolut real“, sagte Kramer. Der Iran nutze unterschiedliche Wege, darunter den digitalen Raum, wo pro-iranische Hacker und staatliche Gruppen Cyberangriffe für gezielte Störungen und Sabotage einsetzten.

Kramer hält wahllosen Terror gegen die breite Bevölkerung für weniger wahrscheinlich. Stattdessen setze der Iran eher auf gezielte Aktionen, die offiziell abgestritten werden könnten, wie Einschüchterung oder Anschlagspläne gegen jüdische, US-amerikanische oder israelische Einrichtungen sowie die iranische Exil-Opposition. Oft würden Mittelsmänner oder kriminelle Netzwerke genutzt, um die eigene Beteiligung zu verschleiern.

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