Journalisten in Thüringen von Rechtsextremen attackiert
Im nordthüringischen Fretterode sind Journalisten angegriffen und leicht verletzt worden. Die Tatverdächtigen, ein 56-jähriger Mann und sein 22-jähriger Sohn, werden von Ermittlungsbehörden der rechtsextremen Szene zugeordnet. Sie sollen die Medienvertreter unter anderem mit Pfefferspray attackiert haben, auch körperliche Gewalt wird geprüft. Der ältere Verdächtige gilt als bundesweit bekannter Rechtsextremist. Beide wurden noch am Abend der Tat festgenommen, später aber wieder auf freien Fuß gesetzt. Bei einer Durchsuchung ihrer Wohnung sicherte die Polizei mehrere Gegenstände, die möglicherweise gegen das Waffengesetz verstoßen.
Hintergründe und Verbindung zu früherem Vorfall
Das Reporterteam von Spiegel TV war in Fretterode für Dreharbeiten über rechtsextreme Strömungen in Deutschland unterwegs. Dabei erlitten zwei der drei Journalisten Verletzungen durch Reizgas und Schläge, wurden medizinisch versorgt und konnten das Krankenhaus wieder verlassen. Der Angriff weckt Erinnerungen an eine Attacke aus dem Jahr 2018, als zwei Journalisten in derselben Region schwer verletzt wurden. Tatsächlich gibt es eine Verbindung: Im Zuge der aktuellen Dreharbeiten war einer der damals angegriffenen Journalisten erneut vor Ort, begleitet von einem Anwalt.
Reaktionen und Kritik an der Justiz
Der Deutsche Journalisten-Verband und der Nebenklageanwalt Sven Adam kritisieren das Agieren der Thüringer Justiz im Fall von 2018 scharf. „Das laxe Urteil aus dem ersten Fretterode-Prozess hat einen Raum geschaffen für das, was jetzt hier passiert ist“, sagte Adam. Er warnte, dass ohne entschiedenes Vorgehen weitere Übergriffe folgen könnten. Mariana Friedrich, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbandes in Thüringen, betonte, der aktuelle Angriff beweise, dass das Ersturteil nicht geeignet war, die Pressefreiheit und Demokratie zu verteidigen. „Übergriffe auf Medienvertreter werden von einigen Menschen inzwischen offensichtlich als normal empfunden“, so Friedrich.
Politische Forderungen und Ermittlungen
Die Thüringer Linke-Innenpolitikerin Katharina König-Preuss äußerte die Sorge, Fretterode drohe zu einer „national befreiten Zone“ zu werden, und forderte Innenminister Georg Maier (SPD) auf, einen Plan zur Zerschlagung der Neonazi-Netzwerke vorzulegen. Die Staatsanwaltschaft Mühlhausen ermittelt derzeit wegen gefährlicher Körperverletzung und Verstoß gegen das Waffengesetz. Der zweite Fretterode-Prozess zum Vorfall von 2018 läuft noch, nachdem der Bundesgerichtshof das erste Urteil wegen Rechtsfehlern aufgehoben hatte.



