Schloss Reinhardsbrunn: Millioneninvestitionen und ungewisse Zukunft nach Enteignung
Die Zukunft des enteigneten und stark sanierungsbedürftigen Schlosses Reinhardsbrunn in Friedrichroda bleibt weiterhin ungewiss. Trotz erheblicher finanzieller Mittel, die das Land Thüringen bereits in den Erhalt des Denkmals gesteckt hat, steht die entscheidende Frage nach der künftigen Nutzung noch aus. Das Infrastrukturministerium bestätigte, dass die Landesentwicklungsgesellschaft (LEG) ab diesem Jahr aktiv nach potenziellen Investoren und Betreibern suchen soll.
Vom Fürstensitz zum Bürgerschloss: Die Vision des Ministers
Infrastrukturminister Steffen Schütz (BSW) betonte die angestrebte Richtung: „Vom Fürstensitz zum Bürgerschloss – das ist die Richtung, die wir für Schloss Reinhardsbrunn einschlagen.“ Ein öffentlicher Ideenwettbewerb brachte 55 Arbeiten für die zukünftige Nutzung hervor. Unter den Vorschlägen finden sich:
- Ein Hotelbetrieb
- Eine Fortbildungsstätte
- Ein Gästehaus
- Gastronomie
- Ein Ort für Veranstaltungen
Die im vergangenen Jahr eröffnete Schlosskapelle dient dabei als Musterbeispiel. Seit September steht sie der Allgemeinheit für Konzerte, Gottesdienste und Trauungen zur Verfügung.
Finanzielle Last und historische Spuren
Seit der Übernahme des Schlosses im Jahr 2021 hat der Freistaat Thüringen fast neun Millionen Euro in den Erhalt des verfallenen Denkmals investiert. Für die kommenden Jahre sind weitere Mittel vorgesehen:
- In diesem Jahr: Rund 1,8 Millionen Euro
- Im nächsten Jahr: Mehr als 2,9 Millionen Euro
Diese Gelder fließen in Sicherungs- und Sanierungsarbeiten, wobei ein Schwerpunkt auf der Wiederherstellung des denkmalgeschützten Schlossparks liegt. Historische Sichtachsen wurden bereits freigeschnitten, und verlorene Bäume sollen an ihren ursprünglichen Standorten nachgepflanzt werden.
Entdeckungen und Restaurierungen
Bei den Arbeiten wurden bedeutende historische Spuren freigelegt und dokumentiert:
- Der Wasserfall und die Bootsanlegestelle am Mühlteich
- Reste des ehemaligen Badehauses im Mühlgraben
- Der sogenannte Mönchstisch, ein steinerner Tisch aus der Klosterzeit, wurde restauriert und wieder aufgestellt
Im Schloss selbst wurden unter vielen Farbschichten große Flächen aus Stuckmarmor sowie gut erhaltene Wandmalereien entdeckt. Diese originalen Architekturfassungen wurden restauratorisch gesichert.
Hintergrund und aktuelle Nutzung
Das in seiner heutigen Form zwischen 1827 und 1835 erbaute Schloss umfasst neun Gebäude und einen 15 Hektar großen inneren Park. Es wurde auf der Ruine des Hausklosters der Thüringer Landgrafen errichtet. Seit 2025 besteht ein Vertrag zwischen dem Land und der Stadt Friedrichroda zur Nutzung von Kapelle und Park. Der Park ist tagsüber frei zugänglich, und die Kapelle kann zu regelmäßigen Zeiten besichtigt werden.
Doch trotz aller Fortschritte und Investitionen bleibt die entscheidende Frage unbeantwortet: Wie geht es mit diesem bedeutenden Denkmal weiter? Die Suche nach Investoren und die endgültige Entscheidung über die Nutzung werden die kommenden Monate prägen.



