Simson-Erben wehren sich gegen AfD-Vereinnahmung: "Beleidigung unseres Namens"
Simson-Erben gegen AfD-Vereinnahmung: "Beleidigung"

Simson-Erben wehren sich gegen AfD-Vereinnahmung: "Beleidigung unseres Namens"

Die motorisierten Zweiräder der Marke Simson genießen in den neuen Bundesländern seit DDR-Zeiten einen unbestrittenen Kultstatus. Bis zu 200.000 Mopeds verließen jährlich die Fertigungshallen des VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk "Ernst Thälmann" in Suhl, Thüringen. Dieser ikonische Status hat die Aufmerksamkeit der AfD geweckt, die seit Monaten mit der Marke in Thüringen Wahlkampf betreibt.

Jüdische Familiengeschichte wird instrumentalisiert

Doch die Geschichte der Herstellerfirma Simson reicht weit über die DDR-Ära hinaus. Das Unternehmen wurde ursprünglich von einer jüdischen Familie gegründet und 1936 von den Nationalsozialisten enteignet. Nun melden sich die Nachfahren dieser Familie zu Wort und wehren sich entschieden gegen die Vereinnahmung durch die AfD.

"Wir empfinden jegliche Verbindung mit der AfD als abstoßend und als eine Beleidigung unseres Namens", erklärt Dennis Baum, Sprecher der heute in den USA lebenden Familie. "Meine Familie und ich lehnen extremistische Ideologien entschieden ab und wollen die Inbesitznahme unseres Namens durch die AfD nicht hinnehmen."

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Politisches Symbol für ostdeutschen "Way of Life"

AfD-Politiker wie der thüringische Landeschef Björn Höcke nutzen die Simson-Mopeds als politisches Symbol, um einen ostdeutschen "Way of Life" zu beschwören. In mehreren ostdeutschen Landtagen hat die AfD sogar Anträge gestellt, die Simson als immaterielles Kulturerbe schützen zu lassen. Sie stehe "für Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität", argumentiert die Partei.

Doch für die Simson-Erben ist diese Instrumentalisierung unerträglich. "Die Familie empfindet es als beleidigend, im Zusammenhang mit einer Partei genannt zu werden, die überwiegend extremistisch ist", betont Baum. "Der Name Simson darf unter keinen Umständen zum Symbol der AfD werden."

Tragische Familiengeschichte während der NS-Zeit

Die jüdische Familie Simson wurde 1936 von den Nationalsozialisten aus Deutschland vertrieben und floh in die USA. "Man hat eine große Tragödie erlebt, die vor allem durch Intoleranz gegenüber der jüdischen Bevölkerung geprägt war", erinnert Baum. "Deshalb betrachten wir die Benutzung unseres Namens durch die AfD als eine Verhöhnung unserer Geschichte."

Das Werk in Thüringen wurde von den Brüdern Moses und Loeb Simson gegründet und etablierte sich zunächst als Waffenhersteller. Später widmete sich das Unternehmen dem Fahrzeugbau und entwickelte unter anderem den Rennwagen Simson Supra. Während der NS-Zeit wurde die Familie zum Verkauf gezwungen, und in der DDR wurde die Fabrik zum Volkseigenen Betrieb umgewandelt.

Die heute produzierten Kult-Modelle wie die Schwalbe oder die S51 sind für viele Liebhaber mehr als nur Fahrzeuge - sie sind Zeitzeugen einer komplexen Geschichte. Doch genau diese Geschichte wird nach Ansicht der Erben durch die politische Vereinnahmung verzerrt und missbraucht.

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