Thüringen startet Jahrhundertprojekt: Mehr Raum für die Unstrut gegen Hochwasser
Thüringen: Mehr Raum für die Unstrut gegen Hochwasser

Thüringen startet Jahrhundertprojekt: Mehr Raum für die Unstrut gegen Hochwasser

Im Freistaat Thüringen steht eines der größten und ambitioniertesten Hochwasserschutzvorhaben der letzten Jahrzehnte bevor. An der Unstrut, die vielerorts durch historische Deiche gesäumt ist, soll dem Fluss nun gezielt mehr Raum gegeben werden. Dieses Generationenprojekt zielt darauf ab, Ortschaften und landwirtschaftliche Flächen deutlich besser vor den Gefahren von Hochwasserereignissen zu schützen.

400 Millionen Euro für umfassende Schutzmaßnahmen

Thüringens Umweltminister Tilo Kummer (BSW) bezifferte die geplanten Gesamtkosten des Vorhabens auf 400 Millionen Euro. Davon übernimmt der Bund 60 Prozent, während das Land die verbleibenden 40 Prozent trägt. Das Projekt ist Teil des nationalen Hochwasserschutzprogramms und unterstreicht die Dringlichkeit der Maßnahmen. „Wir haben es mit einer Generationenaufgabe zu tun“, betonte Minister Kummer in Erfurt.

Umfangreiche Bauarbeiten: Rückbau und Neubau von Deichen

Die geplanten Maßnahmen sind vielfältig und umfangreich:

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  • Erweiterung und Sanierung des Rückhaltebeckens Straußfurt im Landkreis Sömmerda, wobei der Stauraum um beeindruckende zehn Millionen Kubikmeter erhöht werden soll.
  • Neubau von 20 Kilometern Deichen entlang der Unstrut.
  • Rückbau von Deichen auf einer Länge von 26 Kilometern, um dem Fluss mehr Raum zu geben und die natürliche Dynamik zu fördern.

Mit der Erhöhung der Staumauer des Rückhaltebeckens in Straußfurt soll bereits im vierten Quartal 2026 begonnen werden. Weitere Arbeiten sind für einen Baustart im Jahr 2035 vorgesehen. Insgesamt wird für die vollständige Umsetzung des Großprojekts, das sich durch den Norden Thüringens in Richtung Sachsen-Anhalt erstreckt, eine Zeitspanne von 30 Jahren veranschlagt.

Schutz für Ortschaften und Landwirtschaft

Das primäre Ziel des Projekts ist der verbesserte Schutz von Ortschaften und ihren Bewohnern vor Hochwasser. Gleichzeitig soll auch die Landwirtschaft geschützt werden, obwohl es künftig größere Bereiche geben wird, die bei Hochwasser überflutet sein könnten. Nach dem Wassergesetz steht Landwirten bei Ertragsausfällen oder anderen negativen Auswirkungen auf ihre Flächen eine Entschädigung zu.

Ein positiver Nebeneffekt könnte die Stabilisierung des Grundwasserspiegels sein. Durch den Rückbau der Deiche wird die Unstrut weniger stark eingegraben, was zu einem natürlicheren Wasserhaushalt führen kann.

Dringender Handlungsbedarf bei historischem Deichsystem

Laut Umweltminister Kummer handelt es sich bei dem Deichsystem entlang der Unstrut um das größte in Thüringen. Es ist seit mehr als 300 Jahren gewachsen und entspricht an vielen Stellen nicht mehr dem aktuellen Stand des Hochwasserschutzes. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, so der Minister. Das Vorhaben markiert somit einen wichtigen Schritt in die Zukunft, um die Region langfristig und nachhaltig vor den Risiken des Klimawandels und zunehmender Extremwetterereignisse zu schützen.

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